Secluded Time

Sri Lanka, das hast Du nicht verdient!

Auch wenn wir die restlichen Beiträge zu unserer Zeit in Sri Lanka erst in ein paar Wochen veröffentlichen werden, wollen wir uns heute zu Wort melden.

Als wir heute morgen aufgestanden sind, hat uns eine zutiefst traurige Nachricht erreicht. Wir sind schockiert. Sri Lanka, du hast uns berührt und unsere Welt erschüttert. Es ist schrecklich zu sehen, wozu Menschen fähig sind. Welches Leid sie zufügen können. Umso schrecklicher, wenn man weiß, wie unfassbar toll das Land ist, das es getroffen hat. Wie friedfertig die Menschen sind. Und wie groß ihre Toleranz ist.

Am Ostersonntag wurde der Inselstaat von zahlreichen Anschlägen getroffen. Diese wurden in mehreren Kirchen und Hotels verübt. Wer oder was wirklich dahintersteckt, ist bislang noch unklar. Wir tun uns sehr schwer damit diese Meldungen zu verdauen. Noch vor drei Wochen sind wir selbst in Sri Lanka unterwegs gewesen. Wir haben auch Colombo erkundet, den Ort, wo vor einigen Stunden ein heftiges Chaos ausgebrochen ist. Bei all den grauenvollen Bildern, die wir heute prästentiert bekommen haben, haben wir mehr und mehr das dringende Bedürfnis entwickelt der Welt mitzuteilen, welche wundervollen Erlebnisse und Begegnungen wir aus diesem Land mitnehmen durften.

 

Sri Lanka, wir hoffen die Sterne werden bald wieder für dich funkeln.

Wir haben jede einzelne Sekunde in diesem Land geliebt. Natürlich sind das rein subjektive Erfahrungen, aber in unseren Köpfen ist Sri Lanka als das Paradebeispiel für Toleranz hängen geblieben. In keinem Land zuvor haben wir die Menschen als so offen, hilfsbereit und herzensgut erfahren. Egal wen du getroffen hast, egal wo, ein Lächeln hast du mindestens bekommen. Wir haben uns unendlich wohl und sicher gefühlt. Die Einheimischen verwickeln dich freudestrahlend in lange Gespräche und sind überglücklich ein Foto mit dir machen zu dürfen. So oft haben wir ungefragt Hilfe erhalten. Das allernetteste ist uns in Badulla passiert. Einem kleinen Ort, ab vom Schuss. Wir hatten uns zum Mittagessen in einer kleinen Kantine niedergelassen. Mitten im Grünen. Um uns herum nur Einheimische. Mit unserer hellen Haut und Julias blonden Haaren sind wir aufgefallen wie ein bunter Hund. Da kein Tisch mehr frei war, haben wir uns bei zwei älteren Einheimischen mit dazu gesetzt. Munter und mit gebrochenem Englisch haben sie uns über unsere Herkunft sowie unsere Reise ausgefragt. Gefällt es euch? Wie lange bleibt ihr in Sri Lanka? Nach dem Essen holten wir unser Portemonnaie hervor. Doch wir hatten die Rechnung nicht mit den herzlichen Angestellten gemacht. Sie nahmen keine einzige Rupie von uns an. Mit Nachdruck wurden wir eingeladen. Wir waren sprachlos. Man muss bedenken wie arm der Großteil der Bevölkerung ist. Und trotzdem laden sie einen „reichen“ Europäer zum Essen ein. Aber so sind sie die Sri-Lankaner. Denn das ist nur eine von vielen Begebenheiten, die wir erleben durften.

 

Die Inselbewohner lassen sich mit Freuden fotografieren.

Auch unter sich gehen die Inselbewohner mit großem Respekt und Anstand aufeinander zu. Ein Handschlag da, eine Umarmung hier. Jeder scheint jedem ein guter Freund zu sein. Solch ein Gemeinschaftsgefühl. Da sollten wir Europäer uns dringend mal eine Scheibe von abschneiden.

Das war nicht immer selbstverständlich. Wer einen Blick auf die Geschichte Sri Lankas wirft, der wird feststellen, dass das Land schon viel mitmachen musste. Der jahrelange Bürgerkrieg zwischen den Singhalesen und den Tamilen hat für viel Leid gesorgt. Mitten in dieser Krisenzeit wurden große Teile der Küste von einem tödlichen Tsunami getroffen. Das Land hat sich immer wieder aufgerappelt und mit dem Kriegsende 2009 hat sich die Lage beruhigt. Touristen dürfen sich auf der ganzen Insel willkommen und gut aufgehoben fühlen. Die Tamilen werden besser integriert. An diesem Punkt gibt es allerdings immer noch einiges an Verbesserungspotential. Der Konflikt ist bei weitem noch nicht gelöst.

Leider ist es in Sri Lanka auch im letzten Jahr zu Anfeindungen und Vorfällen gekommen. Gemeint sind die Ausschreitungen in Kandy im Herbst. Doch seitdem schien Ruhe eingekehrt zu sein. Von alldem war für uns rein gar nichts zu spüren. Selten haben wir Religionen so friedvoll nebeneinander her leben sehen. Ein hinduistischer Tempel liegt direkt dem der Buddhisten gegenüber und eine Straße weiter findest du die katholische Kirche.

Ein weiteres gutes Beispiel ist das beliebteste Pilgerziel der Insel, der Adam’s Peak. Dieser Berg ist von großer Bedeutung für vier verschiedene Religionen. In gemächlicher Einheit siehst du Christen, Muslime, Hindus und Buddhisten die tausenden Treppenstufen erklimmen. Oben angekommen ist es egal, welcher Religion du angehörst. Alle schauen gemeinsam der aufgehenden Sonne entgegen und begrüßen einträchtig den neuen Tag. Wir sind wir, egal was dein Glaube ist. Das ist es, was gelebt werden sollte. Und dort gelebt wird. Gerade mit dem Wissen, dass ein großer Teil der Bevölkerung jahrelang gelitten hat, ist dieser Zustand der Weltoffenheit ein wahres Wunder.

 

Der Tag wird in Frieden begrüßt. Alle gemeinsam schauen wir auf die heller werdenden Berggipfel.

Wie kann es also in einem Land mit den vielversprechenden Ansätzen von tadelloser Toleranz zu derart grausamen Taten kommen? Die Antwort liegt zwar auf der Hand, aber ist sehr schwer zu begreifen: Blöde Menschen gibt es nun mal. Realitätsferne, grausame Taten werden immer wieder begangen. Wer kann da schon etwas dagegen machen? Konfliktpotential gibt es überall.

Wir fühlen uns machtlos. Wir leiden mit den Betroffenen und wünschen uns die Welt würde sich endlich ändern. Zu einem Ort werden, an dem sich jeder auf Augenhöhe begegnet und den Anderen in seiner vollen Größe annimmt. Wir werden die Extremisten wahrscheinlich nicht von ihren feindlichen Gedanken abbringen können, aber möglicherweise können wir verhindern, dass weitere auf ihr Gedankengut anspringen. Schwer zwar, aber wir haben sonst nichts in der Hand. Fangt bei der kleinsten Hürde an. Mach es den Sri-Lankanern gleich. Verschenkt ein Lächeln und nehmt offen am Leben teil. Nehmt das Leid anderer wahr und schaut nicht weg. Wir können als Einzelne nicht das große Ganze ändern, das wird immer so sein. Aber wir sind ein Teil vom großen Ganzen. Und wenn wir nicht anfangen uns zu ändern, wird sich das große Ganze niemals verändern!

 

1 KOMMENTAR
  • Sabine
    Antworten

    Was für ein schöner Text, ich habe Tränen in den Augen und kann euch nur zustimmen 😢😢😢

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