Mit unserem rollenden Schlafzimmer von Deutschland nach Prag

Prag ist eine Stadt der Superlative! Nicht im Sinn von höher, größer, schneller! Sondern eher nach dem Prinzip schöner, schöner, schöner! Diese Stadt verzauberte uns bereits vor zwei Jahren, als wir unsere erste Reise nach Tschechien unternahmen. Weil’s damals so schön war, haben wir das Ganze Ende letzten September wiederholt!

Nicht nur der Perle des Ostens haben wir einen weiteren Besuch abgestattet, sondern auch die Strecke zur Landesgrenze Deutschland-Tschechien etwas genauer unter die Lupe genommen. Während wir vor zwei Jahren in einem kleinen gemütlichen Hostel im Zentrum von Prag untergekommen sind, dachten wir uns dieses Mal nehmen wir unser eigenes Schlafzimmer auf vier Rädern mit! Unseren Lieblings-Honda, inklusive umgebauten Innenraum! Auch wenn es nun im September schon ziemlich kalt ist, wollen wir es wagen und die Nächte eingekuschelt auf der gemütlichen Matratze im Auto verbringen.

Eine der vielen Brücken Prags. Die Moldau kann man aber nicht nur überqueren, sondern auch per Schiff befahren.

1. Etappe: Die Fahrt

Der Weg von unserer Heimatstadt nach Tschechien führt uns über das kleine Weißenstadt. Wer von euch hat schon mal von Weißenstadt gehört? Wir jedenfalls noch nicht! Zugegeben in Deutschland selbst, sind wir noch nicht allzu viel herumgekommen! Jedenfalls nicht so viel wie in einigen anderen Ländern.. Peinlich vielleicht, aber einfach die ungeschönte Wahrheit. Weißenstadt gefällt uns schon auf den ersten Blick außerordentlich gut. Deshalb entscheiden wir dort einen ersten außerplanmäßigen Halt einzulegen. Tatsächlich sind wir auch ziemlich spät zuhause gestartet und irgendwie schon leicht müde. Trotzdem gibt es noch weitere Gründe dafür eine Nacht in der kleinen Stadt zu verbringen.

Nummer eins ist für uns noch nicht allzu entscheidend: Es gibt einen kleinen See, der sich hübsch in eine grüne Landschaft einfügt. Hier stehen einige Hotels und Spa-Zentren in der Nähe zur Altstadt.

Nummer zwei ist für uns schon mal etwas triftiger. Ein kleines Thermalbad mit Swimmingpool, Solebecken und Sauna-Bereich. Auch wenn das Weißenstädter Thermalbad, im Nachhinein, nicht zu unseren Favoriten unter den Thermalbädern gehört, so ein Sprung ins warme Nass – inklusive Rückenentspannung an den warmen Düsen – ist nach einer längeren Autofahrt genau das Richtige. Wir wärmen uns nochmal richtig gut auf, bevor wir uns anschließend in die dicken Schlafsäcke zurückziehen. Ganz so kuschelig ist das Ganze nämlich gar nicht.

Es wird bei null Grad Außentemperatur schon etwas frisch über Nacht in einem Auto wie unserem. Was uns da auf jeden Fall noch fehlt, sind ordentliche Abdichtungen. Sonst kriecht die Kälte ganz unbarmherzig in unseren Schlafraum. Mit einem Schlafsack, der auf eine Wohlfühl-Temperatur von 10° Celsius ausgelegt ist, ist das nicht der allergrößte Spaß. Einer von uns hat das trotzdem sehr gut weggesteckt, die andere Hälfte von uns – die weibliche – ist morgens ziemlich bibbernd aufgewacht! Mit dem festen Vorsatz entweder kaufen wir heute noch einen Schlafsack, der für 0°Grad und kälter geeignet ist, oder an eine zweite Nacht im Auto ist nicht zu denken! Zum Aufwärmen geht es erstmal für eine Jogging-Runde um den See.

Bevor wir nach Prag weiterfahren, wollen wir Dir unbedingt noch kurz unserer Grund Nummer drei für die Übernachtung in Weißenstadt erklären. Die Keller! Hauptsächlich sind es individuelle Kellerräume. Die wenigsten sind miteinander verbunden. Da aber schon ein einzelner Keller manchmal mehr als 30 Meter Länge aufweist, wird bei über hundert Kellern schnell klar, dass die Stadt von einem riesigen Untergrundsystem – einschließlich ehemaligen Bergkristallwerk – untergraben ist. Was davon heute vor allem noch geblieben ist, sind die Zugänge, die einen in die Schächte führen. Kleine Tore in Steinmauern inmitten grüner Hänge. Man fühlt sich wie in einer Hobbit-Welt. Als würde hinter jeder der Türen ein kleiner Kobold lauern. Am liebsten würden wir selber durch die unterirdischen Gänge kraxeln, aber der Vernunft wegen lassen wir lieber die Finger davon. Beziehungsweise die Füße draußen. Ganz überzeugt, dass wir wieder heil rauskommen würden, sind wir einfach nicht. Und schließlich haben wir ja noch größere Pläne. Nämlich das sympathische Prag endlich wiederzusehen.

2. Der erste Abend in Prag

Unser erster Eindruck von Prag: Das ist doch hier irgendwie voller geworden, oder? Entweder haben wir die Touristenmassen nur verdrängt oder die Stadt hat es geschafft noch mehr Besucher anzulocken. Die Karlsbrücke muss inzwischen täglich so viele tappelnde Füße ertragen, dass wir uns fragen, wie lange sie sich das noch gefallen lässt! Spaß beiseite, wir verstehen gut, warum hier so viele Neugierige aus aller Welt ankommen! An sich sind wir gar nicht so die Städte-Fans, doch Prag schafft es jedes Mal aufs Neue uns mehr und mehr in seinen Bann zu ziehen. Sowohl die bekannten Attraktionen als auch die versteckteren Seiten der Stadt haben es uns angetan.

Bevor wir uns aber dem leckeren Essen, dem Fluss und den historischen Gebäuden widmen können, gibt es noch eine wichtige Mission zu erledigen. Die Suche nach einem wärmeren Schlafsack für die nächste Nacht im Auto. Zum Glück ist Prag eine Großstadt. Der nächste Decathlon ist schnell gefunden. Und somit auch die Rettung für Nacht Nummer zwei.

Für die Kälte sind wir jetzt gerüstet, also stürzen wir uns endlich ins Gedränge der Stadt. Inzwischen ist die Sonne bereits untergegangen und die Gassen leuchten im Flackern der Glühbirnen. Entspannt schlendern wir durch das historische Stadtzentrum und genießen die Stimmung, die abends auf dem großen Platz vor dem Prager-Rathaus herrscht. Der große Uhrturm und die riesige Kirche wirken nachts gleich doppelt beeindruckend!

Mit einer leckeren Pizza machen wir es uns auf einer der Bänke am Platz gemütlich. Das bunte Treiben um uns herum, lässt die ganze Zeit über nicht nach. Touristen, Verliebte oder Nachtschwärmer fluten in den Abendstunden die Innenstadt!

 

 

Satt und gut gelaunt machen wir uns schließlich auf den Weg zur Karlsbrücke. Wir wollen sie endlich mal leer sehen! In der letzten Stunde vor Mitternacht, rechnen wir uns da gute Chancen aus. Irgendwann müssen die unzähligen Schaulustigen doch müde werden, oder? Naiv kann man sein! Der Andrang auf die Brücke zur späten Stunde ist gefühlt noch größer als am Tag. Glück für uns, dass wir wenigstens mit einem Stativ bewaffnet sind. Damit wollen wir jetzt nicht sagen, dass wir die Menschen dank Stativ aus dem Weg stoßen – obwohl das echt eine gute Idee wäre – sondern, dass wir zu einer anderen Waffe greifen können: der Langzeitbelichtung.

Für alle, die nicht aus der Fotografen-Branche stammen, kurz erklärt: Von einer Langzeitbelichtung spricht man, wenn man ein Foto über mehrere Sekunden oder auch noch länger macht. Mal ganz einfach gesagt: Ihr drückt auf den Auslöser und es dauert einige Zeit bis das Bild fertig ist. Ein riesiger Vorteil, wenn man einen Ort nie leer antrifft, aber so gerne ein Foto ohne all die Menschen hätte. Durch die lange Belichtung verschwimmen die Menschen im Bild, bis sie fast verschwinden. Sie dürfen nur nicht mitten im Bild stehen bleiben.

 

Ein Bild ohne Menschen auf der Karlsbrücke zu bekommen ist äußerst schwierig. Eine Langzeitbelichtung kann helfen.

 

Bei dem tollen Ausblick, den man von der Karlsbrücke hat, ist das jedoch nicht ganz zu vermeiden. Deswegen brauchen wir gefühlt Stunden für ein paar annehmbare Bilder. Am Ende des schönen Abends fahren wir zu unserem kleinen Campingplatz am Rande der Stadt. Die Umgebung gewinnt sicher keine Schönheitspreise, aber der Campingplatz bietet eine gute Alternative zu den Hotels in der Stadt. Freistehen wäre natürlich noch günstiger, aber das ist in Großstädten nicht so unser Ding!

 

Die Stimmung im nächtlichen Prag ist besonders schön. Wir lieben es, wie sich die Karlsbrücke und die Prager Burg im Wasser spiegeln.

3. Tag Nummer zwei in Prag

Siehe da, der neue Schlafsack hat sich ausgezahlt. Am nächsten Morgen wachen wir zufrieden und angenehm gewärmt auf. Mit einer unbändigen Lust das hübsche Prag weiter zu entdecken.

Vom Müsli-Frühstück gestärkt geht es auf die Piste! Wenn man die Stufen von der Innenstadt hoch zur Prager Burg als solche bezeichnen kann. Natürlich ist die hübsche Oase am Rand der Altstadt ein weiterer Touristen-Magnet.

Kleiner Tipp: Wer hier mal mehr Ruhe haben möchte, kommt am besten in den frühen Abendstunden. Der Blick auf die Stadt ist in der Dämmerung sogar noch besser! An der Prager Burg mögen wir wirklich alles. Zunächst widmen wir uns dem kleinen Weinbau-Gebiet, direkt neben dem Treppenaufstieg. Der Ausblick ist zwar nicht ganz so gut, wie vom Aussichtspunkt direkt vor dem Burgtor, aber lohnenswert ist der Weg auf jeden Fall. Und nicht ganz so voll wie die Haupttreppe.

Die Burgmauern passiert jeder kostenlos. Einige der Highlights im inneren der Burganlage kosten jedoch. Wir finden, dass man auch genug sieht, wenn man nur die kostenlosen Teile erkundet. Wer aber mehr von den tollen Kirchen, Museen und Gärten haben möchte, der muss eben ein paar Kronen investieren. Der Veitsdom in der Mitte der Anlage ist so schön wie er groß ist. Leider, leider ist er zu unserem Besuch in einem fetten Gerüst mit blauer Bauplane verschwunden. Sowas passiert. Der Platz um den Dom ist trotzdem wunderschön. Derart wunderschön sogar, dass sich frisch Verheirateten aus aller Welt in voller Montur dort ablichten lassen, um die perfekten Andenken an ihren schönsten Tag festzuhalten.

 

 

Die restliche Zeit auf der Prager Burg investieren wir in die verwinkelten Gassen, die Kapelle und den unteren Burggarten. Nur ärgerlich, dass wir das alles mit so vielen anderen teilen müssen! Einmal verlieren wir uns fast in einer Schulklasse. Plötzlich steht jeder von uns an einem anderen Ende der Straße. Die Kids haben es so eilig, dass sie zu einer menschlichen Lawine werden, die alles mit sich nimmt, was nicht rechtzeitig zur Seite hüpft.

Zurück vom Burgberg und super hungrig, holen wir uns erstmal einen der berühmten Trdelník. Um die kommt man in Prag sowieso nicht herum. Fast überall in der Innenstadt hängen Plastikvarianten in überdimensionaler Größe. Werbebanner auf eine ganz fiese Art und Weise. Wie soll man bei deren Anblick denn keinen Hunger bekommen? Gerade wenn man so viel Strecke zu Fuß zurücklegt wie im weitläufigen Prag.

Überall in Prag verbreitet sich der Geruch der Trdelník. Klare Probierempfehlung!

Habt ihr schon mal einen Trdelník gekostet? Das sind hohle, zylinderförmige Gebäckstücke. Sie sind ursprünglich slowakisch und ähneln dem ungarischen Baumstriezel, einer Art Baumkuchen. Der Teig wird auf einem Stab gewickelt und über einem offenen Ofen gebacken. Mit Glück könnt ihr sogar dabei zusehen. Den runden Innenraum der Leckereien könnt ihr füllen, wie ihr wollt! Von der herzhaften Variante bis zur Eisgarnitur mit frischen Früchten ist alles möglich. Unsere Lieblingsvariante ist auf jeden Fall ohne Füllung, aber dafür in Zucker eingelegt. Das ist süß genug. In Kroatien haben wir diese Süßigkeiten übrigens auch letztens entdeckt.

Eigentlich tun uns die Füße viel zu weh, um noch weiter zu laufen. Doch es gibt immer noch so viel zu sehen. Das Kafka Museum, das tanzende Haus und die barocke Nationalbibliothek. Außerdem waren wir immer noch nicht beim dicken Pulverturm! Das alles steht noch auf dem Plan! Die unzähligen Aussichtsplätze entlang der Moldau und die kleine Insel haben wir bereits bei unserem ersten Besuch ausreichend gewürdigt.

Als es schließlich anfängt zu dämmern, finden wir uns zum dritten Mal seit unserer Ankunft in Prag auf der Karlsbrücke ein! Geschafft und erledigt, aber immer noch voller Tatendrang. Ein paar tapfere Sonnenstrahlen schenken uns noch ihren letzten Glanz und wir spazieren entlang der schönen Brücken über die kleinen Wasserschächte im Altstadtviertel! Unsere Kräfte schwinden inzwischen rapide. Unser Besichtigungs-Programm war wohl etwas zu taff! Vielleicht solltet ihr euch überlegen, das lieber auf zwei Tage auszuweiten. Zur Erheiterung allerseits kreuzt gleich darauf eine gemütliche Pizzeria in einer süßen Nebenstraße unseren Weg. Wir ergattern uns den letzten freien Tisch und können endlich unsere Beine entlasten. Die Pizza schmeckt so gut wie schon lange nicht mehr!


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