Ab nach Zagora! Wir kommen der Wüste näher –…

Ein weiterer Sonnenaufgang im lieblichen Marokko und damit beginnt auch eine weitere Fahrt. Wieder soll der Tag einiges an Aufregung, Ausblicken und Anstrengung für uns bereithalten. Doch erstmal gibt es ein ausgewogenes Frühstück. Wenn man das, was wir noch an Nahrungsmitteln dabei haben denn als ausgewogen bezeichnen kann. Wir genießen also einen Rest trockenes Brot, ein paar wenige Früchte und einen Schoko-Osterhasen. Das mit dem Osterhasen sollten wir noch kurz erklären. Heute ist nämlich Ostersonntag! Und Ostern ohne Hasen geht ja gar nicht. Selbst wenn man in Marokko ist. Jetzt ist die Sache für euch hoffentlich etwas klarer. Wir wollen bloß nicht, dass ihr jetzt denkt, wir würden tagtäglich Schokoladen-Tiere frühstücken. ;)

Da uns das Frühstück mit dem großen Schokoladen-Anteil irgendwie nicht so ganz zufrieden gestellt hat und unsere Mägen immer noch furchterregend knurren, ist unsere erste Station die örtliche Bäckerei. So eine Bäckerei in einem kleinen Vorwüsten-Dorf ist schon etwas ziemlich Interessantes. Der Unterschied zu einer deutschen Bäckerei ist nicht mal so riesig. Man kommt rein, jemand steht hinter der Theke, man sagt, was man haben möchte und bekommt es. Ein einfaches Prinzip. Doch da ist dann schon der logische Unterschied zu Zuhause zu finden, wenn man kurz überlegt, wo man sich befindet. Der Theke ist nicht allzu gefüllt. Man hat dementsprechend keine große Auswahl. Wir entscheiden uns schließlich für ein neues Brot und ein paar unbekannte Gebäckstücke, die wir mal probieren wollen. Trockene Kekse, gerollte Teigtaschen und etwas Hörnchen-ähnliches. Schmeckt aber wirklich hervorragend. Ohne Nervennahrung wären wir auch zu nichts zu gebrauchen.

 

 

Die ersten Kilometer raus aus Ouarzazate sind noch richtig belebt. Viele andere Autos sind mit uns unterwegs. Doch kaum haben wir den Ort verlassen ist irgendwie weit und breit niemand mehr zu sehen. Wir folgen einer schnurgeraden Straße durch die Wüstenlandschaft. Rechts und links von uns nichts als Steine und Felsansammlungen. Ab und zu sehen wir in der Ferne kleine Dörfchen. Oder eher Häuseransammlungen. Nach ca. einer halben Stunde Fahrt nähern wir uns dem erstern Mitstreiter. In einiger Entfernung tuckert ein Wohnmobil vor uns her. Wie cool, dass sich auch Menschen mit ihren fahrbaren Schlafzimmern auf den Weg in die Wüste machen.

 

Anschließend macht die Straße eine weite Kurve und gibt den Blick frei auf den Pass vor uns. Fast durchgängig aus schwarzen Steinen bestehend, liegen die großen Felsformationen am Ende der Ebene. Schon von unten sehen wir, wie sich die kleine Straße sich im Zickzack hinauf schlängelt. Das schaut vielversprechend aus. Also nichts wie los.

 

 

Knapp 500 Meter später stellt sich uns ein Hindernis in den Weg. Oder eher ein sehr großer Mann. Am Wegrand steht ein Wagen mit offener Motorklappe und daneben ein Mann mit Turban. Wild fuchtelnd macht er auf sich aufmerksam. Wir sind verwirrt! Auto kaputt? Unfall? Kein Sprit? Alles möglich! Aber irgendwas erscheint uns doch seltsam!

Unser Bauch sagt uns, hier stimmt was nicht. Ist es der Mann selber, der nicht vertrauenswürdig wirkt? Oder vielleicht doch eher die Situation, hier mitten im nichts anzuhalten, um einem Wildfremden zu helfen! Wobei .. ganz so im nichts sind wir ja gar nicht. Das letzte Dorf liegt gerade mal 10km hinter uns. Wenn er so dringlich Hilfe brauchen würde, wäre er dort in weniger als zwei Stunden zu Fuß. Und irgendwie kommen da Bilder hoch von Berichten, die wir im Internet über die Wüstenstrecken gelesen haben. Und damit erinnern wir uns auch an den folgenden Hinweis: „Als offensichtliche Touristen haltet ihr niemals auf einsamen Straßen an. Egal, wer euch darum bittet! Auf einsamen Straßen kann es ab und zu zu kleineren Überfällen kommen!“

Trotzdem sind wir im Zwiespalt. Es könnte ja wirklich sein, dass dieser Mann unsere Hilfe benötigt. Schließlich winkt er inzwischen wirklich sehr energisch! Also was tun? Anhalten? Nicht anhalten? Wir kommen näher! Er winkt! Noch ein Stück! Und dann sind wir vorbei! Wir haben uns entschieden nicht anzuhalten! Und wahrscheinlich war das auch gut so! Ungefähr zwei Minuten nach uns kommt ein einheimisches Auto um die Kurve. Wir drehen uns gerade noch rechtzeitig um um zu sehen, dass der Turban-Mann einfach nur ruhig stehen bleibt, den Insassen zunickt und nicht die geringsten Anstalten macht, den Wagen zum stoppen zu bewegen! Seltsam, oder?

 

Noch etwas seltsamer, dass wir das gleiche Auto mit dem gleichen Mann fünf Tage später wieder antreffen werden. Auf der gleichen Straße. Nur fünf Kilometer weiter! Ein interessantes Auto, das innerhalb von fünf Tagen maximal fünf Kilometer fahren kann. Jetzt kennen wir wohl die Panne. Und ein interessanter Mann, der nach fünf Tagen Wüste immer noch total frisch und geduscht aussieht. So als wäre er zwischendurch mal eben nach Hause in sein bequemes Bett gefahren! Mit seinem doch ach so kaputten Auto!

Auch beim nächsten Mal wird übrigens keiner der einheimischen Fahrer anhalten noch wird der Mann mit dem Turban besonders auf seine Landsleute reagieren. Was passieren wird, wenn wir uns ihm nähern, könnt ihr euch wohl inzwischen denken! Unser Kennzeichen ist einfach zu verräterisch. Diese Geschichte ist irgendwie blöd. Wir haben auch lange überlegt, ob und wie wir sie euch wirklich erzählen. Zwar erscheint vieles eindeutig. So als wäre der Mann ein Betrüger, der es darauf abgesehen hat Touristen eine Falle zu stellen. In was für eine Falle wir getappt wären, ist wirklich schwer zu sagen. Demnach können wir natürlich mit keiner Sicherheit irgendwelche Aussagen machen.

Das Letzte, was wir wollen, ist Misstrauen schüren. Wir wollen aber auf solche merkwürdigen Zwischenfälle aufmerksam machen. Ihr solltet zumindest im Hinterkopf haben, dass auf Überlandstraßen mit derartigen „Gaunereien“ zu rechnen ist. Euer Verhalten solltet ihr diesem Wissen anpassen. Die jeweilige Situation müsst ihr natürlich immer noch selber beurteilen.

 

Nun aber genug von diesem doofen Thema. Wir wollen euch ja keine Angst machen, sondern Lust auf dieses tolle Land. Denn toll ist es wirklich! Nach einer weiteren halben Stunde Fahrt sind wir am höchsten Punkt des Passes angelangt. Der Zwischenfall ist vergessen. Alles, was zählt, ist der gigantische Ausblick. Die Bergrücken schlängeln sich in einem Tal unter uns entlang und eine Art Canyon breitet sich zu beiden Seiten aus. Wir parken das Auto am Straßenrand und – ihr könnt es euch schon denken – schießen eine Menge Fotos. Nur der Wind ist etwas unangenehm. Die Haare lassen sich kaum bändigen. Es soll ja aber auch gar nicht um unsere Haare gehen, sondern um all das Braun, Rot und Orange um uns herum. Zu 90% besteht die Umgebung aus Geröll und Schutt. So schönen Schutt und Geröll haben wir selten zuvor gesehen! ;) Wachsen tut hier kaum noch etwas. Ein paar verarmte Sträucher an den unteren Hängen und das war es auch schon.

 

 

 

Ganz weit in der Ferne erspähen wir eine Oase. Die Sicht ist heute leider nicht so richtig gut. Tatsächlich erahnen wir lediglich die grünen Baumkronen im Sanddunst. Schön gelegen ist sie aber allemal. Weit unterhalb, am Fuß eines hohen Berges, erstreckt die Oase sich über Kilometer. Die kleinen Lehmhäuser können wir ebenfalls nur an den Konturen erkennen.

 

Kaum wieder eingestigen, wartet unweit der nächste Halt auf uns. Dieses Mal befindet sich rechts am Straßenrand sogar extra eine kleine Parkbucht. Hier treffen wir auch auf andere Reisende. Belustigt bemerken wir, dass die Händler heute – am Ostersonntag – ihre Ware umgestellt haben. Normalerweise werden am Wegrand oder an Aussichtsstellen kleine Anhänger oder auch funkelnde Bergkristalle verkauft. Die Kristalle sind übrigens, unserer Information nach, nicht echt! Also greift da nicht unbedingt zu. Heute jedoch gibt es Oster-Nester! Schon heftig wie stark man sich in diesem muslimischen Land an seine Touristen anpassen kann.

 

Der Endspurt geht heute schneller als auf der gestrigen Fahrt. Glücklicherweise ist die Straße zwischen Quarzazate und Zagora durchgängig asphaltiert. Auch Baustellen gibt es so gut wie keine. Noch dazu sind heute kaum Viehtransporter mehr unterwegs. Die letzten Kilometer fliegen dahin. Wer bereit ist einen kleinen Umweg auf sich zu nehmen, der sollte unbedingt bei einer der Kasbahs am Wegrand anhalten. Kasbahs sind sehr alte, ehemalige Festungsanlagen.

 

 

Kurz vor dem Ziel kommen wir nicht umhin zum tausendsten Mal anzuhalten. Irgendwie fangen die Kameras auf dem Rücksitz an sich vernachlässigt vorzukommen. Das müssen wir ändern. Wo ginge das besser als in der wunderschöne Oase, die wir gerade durchkreuzen. Am Horizont machen hohe Krokodil-Berge (keine Sorge, die sehen nur aus wie Krokodile – echte Krokodile gibt es hier keine!) auf sich aufmerksam und direkt vor unseren Füßen fliest ein breiter Bach durch die begrünte Landschaft. Sowohl die schönen kleinen Häuser als auch die vielen Palmen beeindrucken uns!

 

 

 

Am Ortseingang zu Zagora werden wir von der Polizei in Empfang genommen. Auf der ganzen Strecke sind wir immer wieder in Kontrollen geraten. Wir selber wurden bisher aber nie gebeten anzuhalten. Jedes mal ein strenger Blick durch das Fenster, es wird befunden wir sind harmlos und schon dürfen weiter.

 

Jetzt müssen wir nur noch unsere Unterkunft finden. Ein kleiner Junge auf einem Fahrrad bietet ganz ungefragt seine Hilfe an. Dass uns dieses Angebot Trinkgeld kosten wird, ist natürlich klar. Trotzdem lassen wir uns leiten. Manchmal kann man ja auch mal darüber hinwegsehen. Kurze Zeit stehen wir vor der Tür unseres Quartiers. Der kleine Junge wird entlohnt und wir werden vom Personal sehr freundlich empfangen. Die Sachen bringen wir flink aufs Zimmer und dann wollen wir nur noch eins. Rein in den Pool! Ja, ganz richtig. Heute haben wir uns mal was gegönnt. Ein sehr hübsches Zimmer in einem sehr hübschen Hotel für stolze 40€ die Nacht. Mit Pool!! Wir müssen uns ja schließlich erholen, bevor es morgen früh weiter geht! Falls ihr uns auf unserem Trip zu den Dünen begleiten wollt, dann auf geht’s!

 

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