Secluded Time

Insel Pico – Warum wir dich mögen?

Blaue Weite unter uns. Blaues Nichts über uns. Eine weiße und flauschige Masse liegt dazwischen. Wo befinden wir uns nur? Wer weiß es? Ja ganz richtig! Wir fliegen in einer der winzigen Propellermaschinen von SATA von einer Azoreninsel zur nächsten. Genauer gesagt fliegen wir gerade von São Miguel nach Pico.

Bald erahnen wir die erste Insel der mittleren Azorengruppe am Horizont. Weit unter uns liegt sie da. Ein grüner Fleck im endlosen Ozean. Auch die anderen der insgesamt fünf Inseln lassen nicht lange auf sich warten. Wir kommen unserem Ziel immer näher. Der Blick von oben ist atemberaubend. Die Bergspitzen ragen weit in den Himmel hinauf und die typischen Wolkenansammlungen verdecken einen Teil der kleinen Inseln. Lange Schatten breiten sich über die grüne Landschaft aus und von hier oben sehen wir nur wenige Häuser. Das liegt vermutlich daran, dass es auch gar nicht so viele gibt. Schon auf São Miguel gab es kaum große Orte. Das wird auf der Mittelgruppe der Azoren ganz ähnlich sein. Wahrscheinlich wird es sogar noch einsamer.

 

Da fehlen einem die Worte!

 

Die letzten hundert Meter bis zur Landebahn sind mehr als holprig. Die Frau auf dem Sitz neben uns krallt sich verzweifelt an der Lehne ihres Vordermanns fest und unterdrückt nur mühsam ein Schluchzen. Auch Julia kann ihre Anspannung kaum noch unterdrücken. Der Pilot aber tut sein Allerbestes. Eine Windböe erfasst uns von der Seite und bringt das Flugzeug so kurz vor der Landung gehörig ins Straucheln. Dieses Gefühl ist alles andere als angenehm. Doch kurz darauf ist auch schon wieder alles vorbei. Für diese Landung hätte der Pilot einen Orden verdient. Mehr als sicher bringt er die Maschine mit einem Ruck auf den Boden und alle können plötzlich wieder strahlen. Abgesehen von den abenteuerlichen Sekunden vor der Landung war unser Flug einer der besten, die wir jemals erlebt haben. Die Aussicht auf das unendliche Meer und die hübschen Inseln ist ein unbezahlbares Erlebnis! Beim Aussteigen machen wir noch schnell ein Foto von der schnuckeligen Maschine. Diese Erinnerung muss festgehalten werden.

 

Hier siehst Du die Landebahn von Picos Flughafen.

 

Der Flughafen von Pico ist winzig. Die Mitarbeiter treten ungeduldig von einem Fuß auf den anderen, bis auch der Letzte sich endlich seine Tasche vom Fließband geschnappt hat. Es ist 13:30 Uhr und alle wollen nach Hause zum Mittagessen. Der nächste Flieger wird erst am späten Nachmittag landen.

Gemeinsam mit einigen anderen Azoren-Urlaubern stehen wir in der Schlange für die Mietwägen. Wir haben keinen vorgebucht. Dieses Mal zittern wir deswegen aber ein wenig. Hier auf der Insel gibt es nur sehr wenige Autos. Ob wir überhaupt noch ein bezahlbares bekommen werden? Als wir endlich an der Reihe sind, gefällt uns der Preis überhaupt nicht. Wir beschließen uns lieber doch nochmal durch das Internet zu suchen. Auch auf die Gefahr hin am Ende ohne Mietwagen dazustehen. Das Angebot am Flughafen ist einfach zu teuer!

Das Schicksal ist uns zur Abwechslung mal gut gestimmt. Bald haben wir eine günstige Alternative online gefunden. Zwei Stunden später können wir das Auto am Flughafen in Empfang nehmen. Das Online-Angebot ist übrigens von der gleichen Agentur wie der Stand, an dem wir vorhin das überteuerte Angebot erhalten haben. Etwas überrascht und eine Spur ungnädig schauen sie auf unseren online abgeschlossenen Vertrag. Tja, wir mögen es eben nicht uns über das Ohr ziehen zu lassen.

 

Die Mietwagen Suche ist nicht immer einfach.

 

Die erste Tankstelle auf Pico.

 

Unser Auto steht wohl schon lange auf dem Parkplatz herum. Beim Öffnen des Kofferraums hüpft uns erstmal eine dicke, graue Spinne entgegen. Nach einer ausgiebigen Inspektion sind wir etwas verunsichert. Wird dieses Auto überhaupt noch die nächsten Tage mit uns durchstehen? So richtig fahrtauglich wirkt es eigentlich nicht. Nun gut, wir werden sehen. Wir werfen unsere Rucksäcke in den Kofferraum und wagen uns an die ersten Kilometer. Und was sollen wir sagen: Das Auto überrascht uns. Auch wenn es von außen nicht so aussieht, es läuft noch wie eine eins. Was lernen wir daraus? Etwas nach seinem Äußeren zu beurteilen ist grundsätzlich falsch.

Als wir die ersten Kilometer der Insel hinter uns gelassen haben, staunen wir nicht schlecht. Pico ist ein wahrer Kontrast zu São Miguel. Während São Miguel auf uns etwas kühler und ernster wirkte, ist Pico ein wahres Paradies. Alles grünt, strahlt und ist voller wunderschöner Details. Wir sind hellauf begeistert. In diese Insel könnten wir uns verlieben! Die Straßen entlang der Küste und auch die hinauf in die Bergwelt lassen unsere Herzen höher schlagen. Auch die Leute sind hier nochmal viel offener und freundlicher. Beim Tanken grinst uns ein Wildfremder an und deutet gut gelaunt in den Himmel: „What a beautiful day!“ Wir grinsen zurück und nicken! Ja, heute ist wirklich ein schöner Tag!

 

Einmaliger Blick auf den Vulkan und die Weinanbauten.

 

Am Horizont: Die Nachbarinsel Faial.

 

Von unserem Campingplatz aus, im verschlafenen Fischerdorf Lajes do Pico, haben wir einen wahnsinns Blick auf den größten Berg der Insel. Welcher mit seinen 2351 Metern übrigens auch gleichzeitig der höchste Berg Portugals ist! Er ragt weit auf und der beeindruckende Krater oben auf der Spitze lässt keinen Zweifel daran, um was für einen Berg es sich handelt: Wie die meisten Berge auf den Azoren ist auch der Ponta do Pico ein aktiver Vulkan. Aber keine Sorge! Er schläft momentan friedlich vor sich hin. Sein letzter Ausbruch liegt drei Jahrhunderte zurück.

 

Das Dorf von unserem Campingplatz in der Abendstimmung.

 

So sieht der Ponta do Pico aus der Nähe aus.

 

Nach einer anstrengenden Wanderung zum Vulkangipfel kannst du hier entspannen.

 

Nachdem wir uns ordentlich ausgeschlafen haben, steht der erste Insel-Erkundungs-Tag an. Voller Tatendrang klettern wir in unseren Wagen bereit an der nächsten Kurve gleich wieder rauszuspringen. Und so ist es dann auch. Kaum ein paar Kilometer gefahren, erwartet uns der erste Aussichtspunkt. Etwas östlich von Lajes do Pico blicken wir über rechteckige Felder, enge Straßenzüge und hohe Berge. Dieses Mal halten wir nur kurz.

 

Dieser Anblick ist typisch Azoren.

 

Schon kurze Zeit später folgt der erste längere Stop. Das idyllische Ribeiras erobert uns im Sturm. Das sympathische Dorf präsentiert sich von seiner schönsten Seite. Nicht ein einziger Tourist scheint sich in den letzten Wochen hierher verirrt zu haben. Die bunten Häuserfronten, die schmalen Gassen und die wilde Küste liegen unberührt da. Als hätten sie nur auf uns gewartet. Überraschte Gesichter wenden sich uns entgegen als wir mit begeisterten Schritten durch die engen Straßenzüge spazieren. Vorne am Hafen angekommen, erblicken wir eine kleine Kirche. Ein paar Schritte weiter sehen wir Kühe mitten im Dorf grasen. Das ist mal ein authentisches Landleben, oder? Direkt neben dem Hafen befinden sich übrigens sehr schicke Piscinas. Das sind Schwimmbecken, die von den Wellen des Meergangs ganz natürlich geflutet werden. Jetzt, Anfang Juni sind sie aber noch ziemlich dreckig und laden nicht unbedingt zum Baden ein.

 

Der Ortskern von Ribeiras hat es uns angetan.

 

Unser nächster Halt ist das klitzekleine Dorf Manhenha. Das Highlight des Ortes an der Ostspitze der Insel ist ein eindrucksvoller Leuchtturm. Er liegt weit vorne etwas abgeschnitten vom Ortskern inmitten schwarzer Lavasteine. Dreh dich auch einmal um und gucke zum Ort zurück. Der Blick auf die Häuschen von Manhenhas Leuchtturm aus ist sehr markant. Etwas erschreckt hat uns aber die gigantische Ansammlung an Portugiesische Galeeren, einer gefährlichen Quallenart, im nahegelegenen Hafenbecken. Wer sich zur Quallen-Saison östlich der Insel ins offene Meer traut, muss entweder verrückt sein oder völlig schmerzbefreit!

 

Wir präsentieren: Den Leuchtturm von Manhenhas.

 

Naturpools sind oft ein wunderschönes Wasser-Schauspiel.

 

Die Nordseite von Pico erkunden wir im Schnelldurchlauf. Wir sind müde, hungrig und es war ein langer Tag. Bis São Roque do Pico machen wir keinen einzigen Halt mehr. Trotzdem werfen wir immer wieder bewundernde Blicke aus dem Fenster, um das tiefblaue Meer zu bestaunen.

In São Roque parken wir das Auto auf einem abgelegenen Parkplatz und werfen den Gaskocher an. Heute gibt es leckere Wraps mit ganz viel Salat, Hühnchen und Paprika. Felix ist ein wahrer Meisterkoch mit dem Campingkocher. Als Nachtisch genießen wir ein Eis am Stiehl in einem kleinen Park direkt am Meer. Nachdem wir unsere Akkus ausreichend aufgeladen haben, sind wir wieder bereit den Rest von São Roque auszukundschaften. Auch wenn im Ort so gut wie nichts los ist, gibt es einige schöne Ecken. Ein stylischer Pavillon ganz vorne am Meer hat es uns dabei besonders angetan. Erst nach einer ausgiebigen Fotosession verlassen wir ihn wieder. Auch der Nachbarort von São Roque hat seine Vorzüge. Santo António kann stolz auf seinen wunderschönen Naturpool sein.

 

Pico, Du hast uns verzaubert!

 

Den Tag lassen wir an einem unserer Lieblingsplätze auf der Insel Pico ausklingen. Nahe der Stadt Madalena gibt es ein gewaltiges Lavafeld am Meer. Wir sitzen auf einem schwarzen Gesteinsbrocken nur wenige Meter über dem unruhigen Wasser und blicken der Sonne nach, die langsam hinter der Nachbarinsel Faial verschwindet. Was für ein schöner Abschluss für solch einen erlebnisreichen Tag!


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3 KOMMENTARE
  • Heike
    Antworten

    Pico ist so Toll! Hast Du einen Beiteag ueber Sao Mateus? Ich moechte dort ein Haus kaufen. Danke

    1. Secluded Time • Julia & Felix
      Antworten

      Liebe Heike,

      Ohja, Pico ist wunderbar! Es muss toll sein dort ein Haus zu besitzen. Zu São Mateus haben wir bisher noch nichts geschrieben. Doch wir sind einige Male zwischen Lajes und Madalena hin und her gependelt und sind dabei mehrmals dort vorbeigekommen. São Mateus ist wirklich ein schöner und auch ruhiger Ort. Es gibt dort einen kleinen Supermarkt und auch – soweit wir uns erinnern – ein gutes Restaurant. Den Ausblick vom Café Paris Pico aus fanden wir besonders schön!

      Liebe Grüße und viel Erfolg beim Hauskauf!

      Julia & Felix

  • Daniel
    Antworten

    Hallo ihr beiden

    Dürfte in eurem schönen Pico Beitrag nochmals in Erinnerung schwelgen. Bei euren Bildern möchte man am liebsten wieder zurückkehren nach Pico.
    Edit: LINK ENTFERNT

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