Kroatien – Das Land des Sommertourismus?
Was ist dein Bild von Kroatien? Der altmodische und trotzdem klassische Werbekatalog präsentiert Kroatien ungefähr so: Lange Strände, prall gefüllt mit Liegen und Sonnenschirmen. Dazu gibt es ein oder zwei bunte Häuschen mit schnuckeligen Bötchen im Vordergrund. Zu guter Letzt noch ein Drohnen-Bild von oben, um die grüne Seite von Kroatien zur Schau zu stellen. Doch war das etwa schon alles, was Kroatien bieten kann? Massentourismus und Pinienbäume? Das werden wir herausfinden.

Türen zu und los. Wir freuen uns auf blaues Meer und ganz viel Sonne. Heute geht es endlich ab nach Kroatien. Auf einem zweiwöchigen Roadtrip werden wir dem Land auf den Zahn fühlen. Oder eher auf den Kies. Den Sand? Was auch immer dort herumliegt. Unser Lieblings-Auto begleitet uns. Die Rückbank ist ausgebaut und die Matratze, samt selbstgebauter Holzeinlage, bereit. Welches Land eignet sich besser für einen Camping-Trip als Kroatien?
Lesetipp: Angela von unterwegsmitkind.com hat im Sommer 2020 einen ausgedehten Roadtrip über den kleinen Balkan – Kroatien inklusive – unternommen. Tolle Bilder und ganz viele interessante Informationen findest Du auf ihrem Blog. |
Wer als Student die Welt bereist, der spart gerne, wo er nur kann. Oder versucht es zumindest. Bei den Mautpreisen sträuben sich uns die Haare ganz gehörig. Das Geld verzieht sich gleich noch tiefer im Portemonnaie. Dann eben Tucker-Straßen. Geht doch auch! Langsam reisen macht Spaß. Wer braucht schon Autobahnen. Landstraßen sind doch super. Man sieht viel mehr von der Landschaft und .. ! Ja, man sieht mehr. Das war dann auch schon alles Positive. Vor allem in Italien. Die kostenlose Route führt uns mitten durch Norditalien. Die Landstraßen Italiens erinnern an etwas heißes und mystisches. Woran nochmal? Achja, an die Hölle! Gut, zugegeben, die Nerven liegen inzwischen blank. Nach neuneinhalb Stunden Fahrt reicht es einfach. Wer kommt auch auf die dumme Idee zwanzig Kreisverkehre innerhalb von 500 Metern errichten zu lassen? Das muss ein Scherz sein. Davon wird einem ganz schwindelig. Alles dreht sich, wir sind müde und überhitzt. Unser Auto ist klasse, aber die Klimaanlage hat schon bessere Zeiten erlebt.

Nach weiteren zwei Stunden sind wir endlich an der Grenze zwischen Slowenien und Kroatien angekommen. Hier ist alles ruhig. Weil wir immer noch ohne Maut fahren, befinden wir uns an der abgelegensten Grenze in Europa, die man sich vorstellen kann. Mitten im Wald. Zwei Grenz-Offiziere, eine Schranke und ganz viel Stille. Das ist alles, was es hier gibt. Gerade noch rechtzeitig bevor sie schließen, passieren wir die Schranke. Ja, Du hast richtig gelesen: Bevor sie schließen! Diese Grenze hat Öffnungszeiten.
Die nächsten Kilometer führen uns durch das Paradies. Grüne Endlosigkeiten und elegante Täler. Ein einsamer Hase hoppelt überrascht über die Straße. Ein wunderbarer Kontrast zu den höllischen, italienischen Landstraßen. Das macht alles wieder gut. Später wachsen die Bäume und wir fahren durch einen dichten Wald. Bald macht die Straße eine enge Kurve und schon wir befinden uns in dem kleinsten Dorf, das wir jemals gesehen haben. Drei Steinhäuser sind zu bewundern und in der Mitte steht eine schmucke Dorfkirche. Die fünf Bewohner schauen uns irritiert hinterher.

Es ist spät, als wir schließlich an der Küste ankommen. Einen festen Plan haben wir nicht. Wir befragen das Navi nach dem nächsten Campingplatz und hoffen darauf, dass die Rezeption gerne Überstunden macht. Wohl kaum! Der Rolladen hält längst Nachtruhe. Natürlich ist der letzte Mitarbeiter bereits vor Stunden nach Hause gegangen. Blöd gelaufen, trotzdem gut für uns. Wildcamping ist eigentlich nicht erlaubt! Aber was soll man machen, wenn man so übermüdet ist, dass man keinen einzigen Meter weiter fahren kann… und der Campingplatz bereits geschlossen hat? Dann bleibt ja nur noch Freistehen! Tja! Äußerst tragisch. Wir müssen also kostenlos übernachten. Bleibt uns denn überhaupt eine Wahl?
Jetzt aber zurück zu voller Ernsthaftigkeit. Bevor wir in Deutschland losgefahren sind, haben wir das Internet ausführlich zu der Thematik „Frei-Campen in Kroatien“ befragt. Wie gesagt, Wildcamping ist dort gesetzlich verboten und kann mit hohen Bußgeldern bestraft werden. Die erfahrenen Camper berichten jedoch, dass so gut wie keine Kontrollen durchgeführt werden. Unterm Strich kümmert es keinen. Unsere Meinung: Man muss es ja nicht unbedingt darauf anlegen und wochenlanges Wildcampen käme für uns in Kroatien nicht in Frage. Immer mal wieder eine Nacht zwischendurch kann man aber durchaus riskieren.

Nach einer sternenklaren Nacht beendet der erste, warme Sonnenstrahl unsere wohlverdiente Ruhe. Wir kneifen die Augen fest zusammen und kuscheln uns tiefer in unsere Schlafsäcke. Von draußen erklingen Stimmen. Wir hören die Wellen an die Kaimauer schlagen. Dann siegt die Neugier. Ein letztes Mal Gähnen, räkeln, strecken und ab geht’s. Wir wollen endlich bei Tageslicht sehen, wo wir hier gelandet sind. Unfassbar wie warm die Sonne schon am frühen Morgen ist. Und wie sehr sie blendet. Wir befinden uns ganz vorne auf einer dünnen Landzunge. Um uns herum nur Bäume und Wasser. Dazu einige frühmorgendliche Strand-Süchtige, die sich ganz entspannt brutzeln lassen. Es wirkt fast so, als hätten sie da die ganze Nacht verbracht. Vielleicht haben sie aber auch nur Angst, dass später alle guten Liegeplätze weg sind. In der Ferne sehen wir die Zelte vom Campingplatz und noch weiter entfernt ragen dünne Häuserzeilen aus einem kleinen Örtchen auf. Crikvenica, so heißt der Ort. Er gehört im Sommer voll und ganz den Touristen. Das sollen wir bald merken.

Enge Wege, umrahmt von blühenden Sträuchern und hohen Bäumen, führen entlang der Küstenabschnitte. Hier sind die Strände vor allem steinig. Der Sandstrand Crikvenicas befindet sich etwas nördlicher. Das sollte einen jedoch keinesfalls davon abhalten hierher zu kommen. Auch, wenn die vorgelagerte Landzunge eine felsige Angelegenheit ist, ist sie umwerfend schön. Ganz vorne angekommen überblickt man weite Buchten. Das Meer blitzt einem förmlich entgegen. Wir halten inne und erfreuen uns einfach nur daran da zu sein. Ganz nah an den Stein-Plateaus ist das Wasser bestechend klar. Du kannst bis auf den Boden sehen.

Am frühen Morgen verteilen sich die Besucher noch relativ gut. Wir genießen unsere eigene, kleine Bucht mit Ausblick auf die nahegelegenen Inseln. Mit jeder Stunde wird es voller. Die Touristen und Einheimischen rücken in Strömen an und nehmen die Halbinsel für sich ein. Die wenigen Schattenstellen sind schnell unerträglich überfüllt. Also machen wir uns auf, um auch den Rest der Umgebung zu erkunden. Schließlich kommen wir in den Norden des Ortes. Da wo Crikvenicas Sandstrand liegt. Und was sollen wir sagen, dort bestätigen sich die Massentourismus-Vorurteile. Schirm neben Schirm und Liegestühle reihen sich aneinander. Der Strand ist traumhaft, aber das ist uns einfach zu viel. Wir bevorzugen die ruhigeren Orte. Wo auch immer sie sind, wir werden sie finden. Bis jetzt geben wir keinesfalls auf. Dass Kroatien wunderschön ist, das ist längst bewiesen. Ob es auch von idyllischer Ruhe sein kann, das werden wir bald herausfinden. Bist Du dabei? Nächste Woche nehmen wir dich mit auf unsere Fahrt nach Zagreb. Von da aus geht es zu den Plitvicer Seen und schließlich über das große Gebirge Velebit zurück an die Küste.
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2 KOMMENTARE
Das ist so schön geschrieben. Bei meinem ersten Mal Kroatine war ich sogar noch Schülerin und wir haben glaube ich eine ähnlich krasse Route gemacht. Jedenfalls mussten wir da noch in Slowenien zwischenübernachten – auich freistehend, weil alle Campingplätze längst dicht hatten. Diesmal haben wir den Luxus eines großen Campingplatzes sehr geschätzt.
Danke fürs Verlinken!
Liebe Grüße
Angela
Liebe Angela,
dankeschön! Oh, das hört sich toll an. Kroatien ist für uns persönlich sowieso so ein Land, das man nicht oft genug besuchen kann.
Wir haben sehr gerne auf deinen tollen Artikel verlinkt.
Liebe Grüße, Julia & Felix