Kutaissi – georgischer geht’s nicht

Wie man Kutaissi am besten beschreibt oder wie man überhaupt darüber schreiben soll, das haben wir uns wirklich lange überlegt. Diese Stadt ist so viel und so wenig zugleich. Im Gegensatz zu der riesigen Metropole Tiflis wirkt sie weniger wie eine Stadt als wie ein etwas groß geratenes Dorf. Was macht die Stadt Kutaissi – wir nennen sie trotzdem „Stadt“, sie hat immerhin 150.000 Einwohner – denn dann überhaupt interessant für Reisende oder Touristen, fragst Du dich? Diese Frage kann man auf zwei Arten beantworten: Entweder sehr ausführlich oder ganz kurz. Kompakte Informationen und alle Sehenswürdigkeiten von Kutaissi in einer Übersicht findest Du übrigens hier!

 

Die Bauweise in Kutaissi ist einprägsam.

 

Zuerst mal die ganz kurze Erklärung. Ein Wort: WizzAir! WizzAir ist eine ungarische Fluggesellschaft, die extragünstige Direktflüge von vielen Ländern Europas nach Kutaissi durchführt. Zumindest für den europäischen Reisenden ist der winzige Flughafen mitten im Nirgendwo also eine große Bereicherung. Sehr zum Ärger der Einwohner von Tiflis. Der Kutaissi Airport ist nämlich mittlerweile der wichtigste Flughafen Georgiens mit mehr Verbindungen als das Pendant in Tiflis. Knapp 25 Kilometer entfernt von Kutaissi liegt er in der Einöde und strahlt seinen ganz besonderen Charme aus. Wir verdanken ihm allerdings eine unserer unangenehmsten Landungen in unserer persönlichen Fluggeschichte. Wer schon mal bei Böen mit einer Windgeschwindigkeit von über 50km/h auf eine Landebahn zugerast ist, kann sich wahrscheinlich noch gut erinnern wie ekelig wackelig solch eine Angelegenheit ist. Gerade für einen Flugangsthasen wie Julia war das eine echte Mutprobe. Aber nach einigen nervenzerreißenden Wacklern folgte dann schon der harte Aufprall der Räder auf dem Boden begleitet vom erleichterten Applaus unserer Mitfliegenden, an dem wir uns dieses Mal sogar beteiligt haben!

Für die ausführliche Antwort warum Du unbedingt nach Kutaissi reisen solltest, brauchen wir sehr, sehr viel länger. Hol dir am besten erstmal eine Tasse Tee oder Kaffee und dann mach es dir vor dem Bildschirm gemütlich. Stell dich darauf ein einen besonderen Ort kennenzulernen.

 

So echt ist Kutaissi. Übertrieben beschönigt wird hier nichts!

 

Nach unserer wackeligen Landung verbringen wir den Rest der Nacht im Flughafen. Eingerollt auf einer großen Bank mit unseren Backpacks als Kopfkissen. Es gibt bequemere Orte zum Schlafen! Für den Kutaissi Airport sind Ankunftszeiten nach 2 Uhr in der Nacht jedoch keine Seltenheit. Deswegen übernachten viele Reisende während ihrer ersten Nacht in dem eigenartig runden Flughafengebäude, um nicht für ein paar wenige Stunden Schlaf im Hotel bezahlen zu müssen. Und auch wir sind bekennende Sparfüchse.

Am Morgen aufgewacht, nach wenigen Stunden voller unruhigen Schlafs, machen wir uns dann auf die Suche nach einer geeigneten Fahrgelegenheit in die Stadt. Leider fährt der günstige GeorgianBus nur jede Stunde und genau vor unseren Augen davon. Also wird es eben ein Taxi. Ein wichtiger Tipp für dich: Lass dich da bloß nicht übers Ohr ziehen! Typisch Flughafen verhandeln hier die Taxifahrer knallhart. Das einzige Gegenmittel ist selber knallhart zu bleiben. Das kann aber auch dazu führen, dass dich dein Fahrer schon einige Kilometer vor dem Zentrum wieder loswerden möchte. Nach einigem hin und her kutschiert uns der liebe Taxifahrer dann aber doch noch zum berühmten Pferdebrunnen.

Die Taxifahrt führt uns durch grüne Weiten, die am Horizont von hohen Bergmassiven eingerahmt werden. Wir sind gleich hellauf begeistert von den Natur und der unbeschönten Seite Georgiens. In Kutaissi angekommen geht es mit den Highlights auch gleich weiter. Der Pferdebrunnen ist wirklich etwas Besonderes. Gelegen auf dem pompösesten Platz des Zentrums ist er eine wahre Augenweide. Neben der Kathedrale auf dem Berg ist der Brunnen wahrscheinlich auch die beliebteste Sehenswürdigkeit der Stadt. Wobei wir finden, dass diese Stadt noch so viel mehr zu bieten hat – vielleicht sogar noch Tolleres! Dazu aber gleich mehr. Erstmal machen wir uns auf den Weg zu unserer Wunschunterkunft*. Vorgebucht haben wir nicht, da es in Georgien sehr leicht ist spontan eine Unterkunft zu bekommen und wir so vor Ort entscheiden können, ob die Umgebung und das Zimmer gefällt.

 

Der Fontänenbrunnen ist doch wirklich imposant, oder?

 

Begleitschutz auf der Unterkunftssuche bekommen wir von einem dünnen, grauen, vierbeinigen Wesen, das sich auch mit größter Anstrengung nicht abschütteln lässt. Die Straßenhunde in Georgien sind leider häufig sehr aufdringlich. Dafür aber eigentlich nie aggressiv. Auch wenn die Hunde in Georgien uns gegenüber nie übergriffig geworden sind und manche von ihnen sogar ziemlich knuffig sind, ist jeder von ihnen doch ein Hund, der auf der Straße lebt und Krankheiten übertragen kann. Die Tiere sind teilweise wirklich zu bemitleiden, aber trotzdem solltest Du den Kontakt zu ihnen meiden. In vielen Ländern dieser Welt gibt es immer noch die Gefahr von Tollwut, so auch in Georgien. Damit ist nun wirklich nicht zu spaßen. Deswegen streicheln wir grundsätzlich niemals einen Straßenhund oder füttern ihn. Am besten vermeidest Du von Anfang an Blickkontakt und machst einen größeren Bogen um die Tiere. Dann lassen sie dich normalerweise in Ruhe. Unser treuer Vierbeiner hat uns jedoch so ins Herz geschlossen, dass er jeden anbellt, der es wagt auch nur den gleichen Gehweg wie wir zu benutzen. Und auch Autos stellen in seinen Augen eine große Gefahr dar, die man besser energisch einschüchtern sollte. Was wir davon halten und ob wir die Begleitung überhaupt zu schätzen wissen, werden wir überhaupt nicht gefragt. Selbst wenn wir ganz still und leise die Straßenseite wechseln, hören wir es schon Sekunden später wieder hinter uns hecheln.

 

Süß ist er ja, oder?

 

An unserer Unterkunft angekommen muss der Hund draußen bleiben. Nach einigen Minuten geduldigen Wartens beschließt er, dass es Zeit ist sich neue Herrchen zu suchen und tänzelt davon. Wir haben es da besser. Wir dürfen uns in ein warmes Bett kuscheln und für eine halbe Stunde die Augen schließen, ehe wir uns die Kameras schnappen und die große Erkundungstour los geht.

Gut, dass wir nochmal kurz geschlafen haben, denn so übermüdet wie wir waren, wären wir bestimmt gleich durch das erste Loch im Asphalt gestolpert und volle Kanne auf die Nase geflogen. Die Straßen Kutaissis haben schon so einiges auf dem Buckel. Dafür erzählen sie aber tolle Geschichten. Selbst die unspektakulärste Straße am Stadtrand wirkt irgendwie nicht langweilig. Das Interessante sind die Kontraste! Während man am Pferdebrunnen-Platz die prachtvollsten Bauten bestaunen kann, muss man gerade mal zwei Straßenkreuzungen überqueren, um sich in einer unasphaltierten, stark baufälligen Gasse wiederzufinden.

 

So kann es in Kutaissi eben auch mal aussehen!

 

Das Beste kommt noch: Direkt hinter dem McDonalds, der übrigens so gar nicht in dieses Land passt, wird eine komplett neue Kirche errichtet. Und das von Grund auf. Ganz neugierig laufen wir darauf zu und fangen an sie abzulichten. Einige Arbeiter sind an der Kirche beschäftigt. Sobald sie uns bemerken, legen sie ihre Werkzeuge nieder und verlassen die Gerüste. Wir winken ihnen zu und wollen uns gerade auf den Rückweg machen, als sie uns ansprechen. Unübersehbar stolz erzählt uns ein alter Herr mit grauem Haar, dass sie die komplette Kirche selber errichten und bald endlich fertigstellen werden. Dann treten alle auf die Seite, rauchen eine Zigarette und warten geduldig bis wir noch ein paar weitere Bilder geschossen haben. Erst nach unserer Verabschiedung nehmen sie ihre Arbeit wieder auf. Solche netten und fleißigen Menschen leben also in Kutaissi. Beeindruckt machen wir uns an die weitere Erkundung der Stadt.

 

Sieh, was die Einwohner Kutaissis alles tolles kreieren!

 

Eigentlich wollen wir zur Kathedrale auf dem Berg, aber irgendwie schaffen wir es uns so richtig zu verlaufen. Bald darauf befinden wir uns in der Nähe des Flusses in einem etwas heruntergekommenen Wohnviertel. Inzwischen ist es schon ziemlich dunkel geworden, aber obwohl wir durch die abgeschiedensten Gassen laufen, fühlen wir uns so gar nicht unsicher. Alle Einheimischen, die uns begegnen, schauen freundlich zu uns hinüber. Die Georgier sind wirklich ein sehr, sehr sympathisches Volk. Manchmal sind sie etwas schüchtern, weswegen manch einer auf den ersten Blick etwas abweisend oder gar unhöflich wirken könnte. Was aber die allerwenigsten sind. Fast alle Georgier sind offen, herzlich und so unendlich hilfsbereit.

Kurz nachdem wir beschlossen haben zur Unterkunft zurückzukehren – wir sind immer noch etwas müde von der unbequemen Nacht – finden wir einen unserer Lieblingsorte in Kutaissi: Mitten in dem Wohngebiet versteckt befindet sich ein in die Jahre gekommener Platz mit einer unglaublich schönen, alten Kirche. Die Kirche stützt sich auf Säulen und mit ihren Verzierungen und ihrer Ausstrahlung zieht sie uns ganz in ihren Bann. Gerade in der Dämmerung wirkt dieser Platz auf eine ganz besondere Art. Er strahlt eine Stimmung aus, die mit Worten schwer zu beschreiben ist. Irgendwie mystisch laut und magisch ruhig zugleich. Und wir haben das alles ganz für uns alleine. Weit und breit ist keine einzige Menschenseele zu sehen.

 

Diese abgeschiedene Kirche strahlt eine wunderbare Würde aus.

 

Trotzdem machen wir uns bald auf den Weg zurück in die Unterkunft. Nur wer genug schläft, ist bereit für einen weiteren Tag in diesem Land, das uns schon jetzt überzeugt. Warum haben wir nur so unglaublich wenig Zeit mitgebracht? Allein für Kutaissi und seine Umgebung könnten wir locker noch einige weitere Tage gebrauchen.

Als also unser zweiter Tag in unserem neuen Herzensland anbricht, können wir unser Frühstück kaum genießen. Dabei ist das wirklich, wirklich lecker! Es gibt Rührei, irgendwelches Süßzeug und georgisches Brot mit Marmelade in Massen. Trotzdem sind wir viel zu neugierig auf den Rest der Stadt, um ruhig sitzen zu bleiben und unseren Tee auszutrinken. Wir wollen unbedingt noch zur Kathedrale, bevor wir unseren Mietwagen am Flughafen abholen müssen. Wir erkundigen uns bei unseren Vermietern nach dem Weg, damit wir nicht wieder in den hübschen Gässchen der Altstadt verloren gehen. Mit frischer Energie laufen wir anschließend in Richtung Brunnenplatz und von dort aus zur nächsten Brücke über den Fluss. Auf der Brücke müssen wir dann gleich mal stoppen. Der Ausblick ist einfach viel zu schön.

Und hier ist sie. Die Kathedrale von Kutaissi!

Die Kathedrale liegt auf einer kleinen Anhöhe oberhalb von Kutaissi. Der Weg hinauf auf den Klosterberg bringt uns endgültig aus der Puste. Naja, wenigstens haben wir nun etwas Sport gemacht. Wer kommt auf Reisen schon zum Joggen oder Workout? Wer jetzt „hier“ ruft ist ein Streber!! Nein Spaß, dann sind wir natürlich beeindruckt. Beeindruckt sind wir auch von der Kathedrale. Die sprudelt vor Schönheit fast über. Ihre Stille und ihre Präsenz machen sie zu einem Gebäude, an dem man nicht vorbeikommt. Der ganze Stress und die Eile fällt von uns ab und wir verbringen einige Zeit damit die prächtige Kirche zu bestaunen. Ins Innere kommt aber nur derjenige, der sich angemessen kleidet. Das bedeutet: bedeckte Schultern und Knie, sowie ein Rock und ein Kopftuch für alle Frauen.

Auch der Ausblick von der Kathedrale über die Stadt ist nett, aber Kutaissi ist unserer Meinung nach keine Stadt, die von oben allzu sehenswert ist.

Im Anschluss müssen wir ganz schön hetzen, um noch rechtzeitig zurück zur Unterkunft zu gelangen. Etwas traurig schnappen wir uns unsere Rucksäcke und machen uns auf den Weg unseren Mietwagen abzuholen. Wir hätten am liebsten noch viel mehr Zeit in Kutaissi verbracht. Diese Stadt hat es uns wirklich angetan. Gleichzeitig hat sie aber auch unsere Lust auf den Rest des Landes geweckt. Wir sind gespannt, was uns alles erwartet!


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