Tiflis, die Stadt mit der man warm werden muss?

Tiflis ist die Hauptstadt Georgiens und gleichzeitig ein Ort mit dem die Leute „erst warm werden müssen“. Zumindest stand das in den Artikeln, die wir vor unserem Aufenthalt in dieser europäisch-asiatischen Metropole gelesen haben. Naja, wenn sie meinen! Wenn sie auch nur einen Tag ihrer wertvollen Zeit mit „warm werden“ in dieser Super-Stadt verschwenden wollen! Dabei reicht hier die Zeit doch sowieso nicht, selbst wenn man davon unendlich viel hätte. Diese Stadt bietet so viel und ist derart schön, dass man sie einfach nie mehr verlassen möchte. Oder sollte. Zumindest ging das Julia so. Sie fand die Stadt einfach umwerfend. Und zwar in jeder Hinsicht. Sogar auf die wortwörtlichste Art und Weise wurde sie umgeworfen. Die blauen Flecken sieht man noch heute. Löcher im Boden und Stolperfallen im Asphalt sind in Tiflis eben nichts Ungewöhnliches. Auch wenn es schwer ist, solltest Du nicht zu verträumt durch diese traumhafte Stadt laufen. Sonst liegst Du schneller auf dem Boden als Du „Tbilisi“ aussprechen kannst. Na ja, wer kann das schon aussprechen? Keiner außer den Georgiern. Deswegen sind wir Deutschen wohl auch bei dem herkömmlichen Namen Tiflis geblieben, während die Georgier irgendwas mit „blissiii“ nuscheln und uns jedes Mal auslachten, wenn wir uns an diesem tückischen Wort versuchten. Absolut jedes Mal. Unübertrieben. Dabei haben wir uns doch immer so viel Mühe gegeben…

 

Zur Linken siehst Du die Mauern der Narikala-Festung. Direkt unterhalb beginnt der Botanische Garten von Tiflis.

 

Die altertümliche bis supermoderne Hauptstadt Georgiens bietet nicht nur gefühlt 70% ihrer Landsleute eine Heimat, sondern bietet jedem, der sie besucht, eine Vielfalt, die man niemals wieder vergisst. Eigentlich hatten wir vor unserem Georgien-Abenteuer eher mittelmäßig-begeisterte Berichte über Tiflis gefunden und lediglich ein paar weniger prachtvolle Bilder. So haben wir uns gedacht: „Hach Tiflis, das schieben wir eher ans Ende. So toll scheint es ja nicht zu sein und für Städte brauchen wir ja oft nicht mehr als 1-2 Tage!“ Nun, da sieht man mal wieder, was man davon hat auf andere zu hören. Wie das Ende der Geschichte lautet können wir dir schon jetzt verraten. Wie immer sind wir zum Ende unserer Reise in enormen Stress geraten und hatten letztendlich genau 12 Stunden übrig – für die schönste Stadt, die wir bisher besuchen durften.

 

„Farbenfroh“ ist fast noch eine Untertreibung, wenn man die Gassen von Tiflis beschreibt.

 

Wusstest Du, dass Tiflis – alias Tbilisi – früher als das Paris des Osten bezeichnet worden ist? Und damals wurde der beachtliche Fernsehturm nachts bestimmt noch nicht in Neontönen – à la Eiffelturm – bestrahlt. Das kann also eher nicht der Grund dafür gewesen sein. Vermutlich rührt das wohl von der romantischen Atmosphäre her, die die engen Straßen der Altstadt zu jeder Tageszeit versprühen. Den mancherorts penetranten Schwefelgeruch mal beiseite gelassen. Hinzu kommen die wunderschönen Brücken über den breiten Fluss, die gemütlichen Weinstuben und das gute Essen. Wir könnten noch so viele Gründe aufzählen, warum man Tiflis lieben sollte.

Das „östliche Paris“ setzt sogar nochmal einen drauf. Womit das französische Paris nämlich nicht dienen kann, sind die unterirdischen, heißen Pools. Auch wenn der etwas strenge Geruch, der einen durch die Altstadt begleitet, nicht unbedingt die romantischen Gefühle anheizt, bringt einen der Besuch der hübschen Bäder und ihrer dampfender Pools bestimmt auf Wolke Sieben. Die wunderschöne Altstadt ist ja sowieso schon ein absolutes Muss, aber noch mehr und unbedingt legen wir dir die Bäder von Abanotubani ans Herzen. Du musst ja nicht mal unbedingt zum Schwimmen herkommen, aber schau sie dir unbedingt an. Es gibt zahlreiche rein unterirdische Bäder in Tiflis, doch die Schwefelbäder von Abanotubani sind die einzigen, an deren beeindruckenden Halbkugeldächern man sich auch von außen erfreuen kann. Ganz besonders schön ist ihr Anblick bei Nacht, wenn die Dächer beleuchtet werden.

 

Der dünne Fluss, der durch das Viertel von Abanotubani fließt, riecht alles andere als angenehm.

 

Die Dächer der Schwefelbäder bei Nacht!

 

Wem weder der Schwefelgeruch noch die hübschen Gässchen des Altstadtzentrums von Tiflis zusagen – auch wenn das doch sehr unwahrscheinlich ist – dem bietet die Stadt noch einige andere Seiten. Eine davon ist umwerfender als die andere. Damit meinen wir zum Beispiel die Sambeba Kathedrale, die Narikala Festung oder den Botanischen Garten. Auch wenn wir keine riesengroßen Fans von den georgischen Botanischen Gärten sind, können wir den von Tiflis für einen ausgedehnten Spaziergang doch empfehlen. Für Adrenalin-Fans gibt es übrigens auch eine besondere Attraktion: eine Zipline! Die allerdings gar nicht allzu günstig ist.

Das Anwesen rund um die Sameba Kathedrale ist wahrlich prachtvoll. Gärten soweit das Auge reicht und eine Ansammlung kleinerer Gebäude runden das Gesamtbild ab. Anmutig ragt die gewaltige Kirche über der Stadt auf. Der Blick von der Kathedrale über die Stadt ist seiner Konkurrenz nicht wirklich gewachsen, doch trotzdem ist auch diese Perspektive von Tiflis ein paar Minuten deiner Aufmerksamkeit wert.

 

Die prächtige Sameba Kathedrale ist das Highlight vieler Georgien-Urlauber.

 

Die Gärten, die die Kathedrale umgeben, sind mit viel Geschmack gestaltet worden.

 

Der Park hinter der Kathedrale ist wirklich weitläufig.

 

Die Narikala Festung beinhaltet heute eine gut erhaltene Kapelle und einige Mauerreste, die immer noch eine altehrwürdige Ruhe ausstrahlen. Wie fast überall auf den umliegenden Hügeln hast Du auch von der Narikala Festung aus einen gigantischen Ausblick auf die Stadt. Vielleicht triffst auch Du auf den todesmutigen oder vielleicht auch krankhaft verrücktem Menschen, der gerne Spiderman spielt. Wir stehen da und machen unsere Fotos von der Festung, als plötzlich dieser Kerl mit Kopfhörern im Ohr auftaucht und sich entlang der schrägen Mauer mehrere Meter nach oben hangelt.

 

Uns hat die Narikala Festung besonders gut gefallen.

 

Oben bei den Zinnen angekommen, reicht es ihm aber noch nicht. Sprung für Sprung geht es von einer Zinne zur nächsten. Und dann wieder zurück. Irgendwann hält er dann an, aber nicht etwa um seinen Touri-Fans zuzuwinken, die ihn wie gebannt anstarren, sondern um einen einhändigen Handstand auf der äußersten Ecke zu vollführen. Danach wird es dann erstmal Zeit für ein Selfie. Der Gute hat wohl auch einen Blog? Den enthalten wir dir nur ungern vor, aber leider wissen wir den Namen nicht. Ist wahrscheinlich auch besser so. Nicht, dass irgendjemand Lust bekommt, diesen Verrückten nachzuahmen! Ein Blick auf die andere Seite der Mauer genügt, um zu wissen, dass er, würde er eine Bruchlandung hinlegen, definitiv besser einen Fallschirm dabei haben sollte. Leider waren wir so beeindruckt und irgendwie etwas geängstigt um den ambitionierten Yoga-Kletterer mit Selfiestab, dass wir ganz vergessen haben ein Foto von ihm zu machen. Jetzt musst Du uns wohl einfach mal glauben. Oder selber hinfahren und nachschauen ob er dort immer noch rumspringt.

Noch ein kleiner Tipp am Rande: Die Metechi-Kirche mit der ikonischen Reiterstatue davor ist weltberühmt. Der Ort zieht saisonabhängig auch mal größere Menschenmassen an. Wer sich nach etwas mehr Ruhe sehnt, dem können wir den kleinen Klosterteil empfehlen, der direkt unten am Fluss liegt. Du findest ihn am Fuß des Hügels, auf den die Kirche gebaut wurde, wenn du die nahe Brücke überquerst. Wir waren hingerissen von der Schönheit dieses Ortes. Möchtest Du auch die abgelegeneren Plätze in Tiflis besichtigen, bist Du dort genau richtig.

Wenn das alles immer noch nicht reicht, um dich von Tiflis überzeugen, dann haben wir jetzt nur noch ein letztes Argument: In welcher Stadt sonst, die man fast noch zu Europa zählen kann, trifft man eine Kuh mitten auf der Straße? Bei dieser Begegnung befanden wir uns kaum fünf Kilometer vom Zentrum entfernt, auf dem Weg zum besten Ausblick der Stadt – oberhalb der Standseilbahn!
Schöner als der Ausblick oberhalb von der Standseilbahn ist übrigens höchstens noch der Ausblick von der „richtigen“ Seilbahn aus!

 

Eine Fahrt mit der Seilbahn kostet dich 2,50€. Du brauchst dafür die MetroMoneyCard.

 

Diese Stadt ist doch atemberaubend schön, oder nicht?

 

Die „richtige“ Seilbahn verbindet die Innenstadt mit der Narikala Festung und der Mutter Georgiens, einer riesigen Statue. Auf dem Weg schwebst Du mit herrlichem Blick über die Altstadt und den Fluss.

Vor einer Sache wollen wir dich allerdings warnen: Du wirst auf sehr viele bootsverliebte Menschen treffen. Noch niemals zuvor wurde uns eine Bootsfahrt so verzweifelt versucht zu verkaufen. Innerhalb eines fünfminütigen Spaziergangs über die modernste Brücke in Tiflis wurden wir bestimmt von fünf verschiedenen Promotern angequatscht. Irgendwann haben wir nur noch gegrinst und den Kopf geschüttelt. Das hat uns schon fast an das Feeling auf einem marokkanischen Souk erinnert.

So, was sagst Du? Konnten wir dich überzeugen? Fährst Du nun nach Tiflis? Wie Du sicherlich gemerkt hast, haben wir uns in die georgische Hauptstadt verliebt. Dafür brauchten wir nicht eine einzige Sekunde zum „warm werden“! Falls der eine oder andere nach diesem Lobgesang immer noch nicht in das Paris aus anderen Zeiten fliegen möchte, ist das aber auch okay. Dann wird diese wunderbare Stadt wenigstens nicht sofort überflutet. So schön wie sie ist, wird das sowieso viel zu schnell passieren. Also genießen wir Tiflis solange es noch leer und fernab vom Massentourismus existiert.

Detailliertere aber kompakte Informationen für deinen Aufenthalt findest Du auf unserer Reisetipps Seite Tiflis.


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