Georgien, hier begleitet dich die Polizei zum Schwimmen

Wart ihr schon mal mit der Polizei schwimmen? Oder hat euch die Polizei zum schwimmen gebracht? Noch besser, zu einer heißen Quelle, mitten in der Natur, mit heilender Wirkung? Uns ist das passiert. Wir haben polizeiliches Geleit erfahren, um die idyllischste Entspannung mitten in grüner Wildnis im wunderschönen Georgien zu erfahren. Doch warum das? Was bewegte die Polizei dazu uns zu einem solchen Ort zu begleiten? Wer jetzt denkt, es ging um unsere Sicherheit, ist absolut schief gewickelt! Georgien ist eines der sichersten Länder, die man sich vorstellen kann! Wir haben uns selten sicherer gefühlt als in unserer Zeit dort. Das ist wohl auch einer der Gründe, warum die Polizei sich die Zeit nehmen konnte uns inmitten ihrer Dienstzeit an diesen besonderen Ort zu begleiten.

 

Der Besuch einer georgischen Schwefelquelle ist ein einmaliges Erlebnis.

 

Das ganze begann wie folgt: Felix entdeckt auf einer georgischen Internetseite eine Fotografie von einer abseits gelegenen Schwefelquelle mitten im Nirgendwo. Die einzige Information in der Bildunterschrift? „Viele heiße Quellen liegen im Bezirk Wani!“ Georgien ist ein Land mit vielen Schwefelquellen, welche über das Ganze Land verteilt sind. Angefangen mit den berühmten Schwefelbädern in Tiflis, bis hin zu idyllischen Badehotels mitten in den Bergen. Doch wie das so ist, kosten die meisten Geld und sind überlaufen mit anderen badelustigen Touristen. Als wir hören, dass die Quellen um Wani herum ein absoluter Geheimtipp sind und sich dort allerhöchstens die Einheimischen treffen, ist unser Suchtrieb geweckt. Diese Quellen wollen wir unbedingt finden.

Also auf in Richtung Wani. Google Maps leistet uns mit seinen Offline-Karten treue Dienste, vergisst nur leider die gravierenden Schlaglöcher zu erwähnen. Naja, überstanden hat unser lieber Leihwagen das kleine Abenteuer zum Glück trotzdem.

 

Auf dem Land ist nicht nur eine Kuh unterwegs. Gegen Auto-Hupen sind sie im Übrigen ziemlich immun.

 

Schon der Weg nach Wani an sich, ist ein Erlebnis für sich. Wir, die gerade mal zwei Tagen in unserem neuen Lieblingsland Georgien, verbracht haben, sind beeindruckt von der völlig authentischen, ländlichen Seite dieses Staates. Hier, in Wani und Umgebung, wohin sich mit großer Wahrscheinlichkeit seit Monaten kein Tourist verirrt hat, sieht man das pure Landleben. Kühe, Schweine und Gänse auf der Straße, gepresste Heupyramiden auf den Feldern und immer wieder kleine Häuseransammlungen am Straßenrand.

Diese Umstände erleichtern unsere Suche allerdings nicht gerade. Denn wo keine Touristen sind, sind natürlich auch keine Sehenswürdigkeiten ausgeschrieben. Und schon gar keine heißen Quellen mitten im Nirgendwo. Und was meint ihr wie es mit Englisch aussieht? Das Ergebnis lautet 0,0%. Auch wenn diese Studie natürlich etwas verfälscht ist, wenn man gerade mal mit zehn Leuten gesprochen oder vielmehr wild gestikuliert hat. Diese zehn Einheimischen, die hat es allerdings auch wirklich gebraucht, um den Ort zu finden. Und einiges an Zeit und Mühe.

 

Idylle und Einsamkeit. Das vor allem kennzeichnet Georgiens ländliche Gegenden.

 

Wir sind schon ziemlich kurz vor dem Aufgeben. Alles was uns als Verständigungsmittel bleibt, ist den Einheimischen das Bild der Quelle auf unserem Handy zu zeigen. Und alles, was sie tun können, ist wild in irgendwelche Richtungen zu deuten. Viele kennen die Quelle nicht einmal. Die scheinbar aussichtslose Suche kommt dem Ziel endlich näher, als wir ein junges Mädchen ansprechen, das mit ihren kleinen Geschwistern auf dem Weg nach Hause ist. Sie kennt die Quelle – juhu – und kann uns den genauen Ort nennen, wo wir suchen müssen: Amaghleba. Also noch schnell ein Selfie, auf den Wunsch der Tagesretterin hin und dann schnell, schnell auf nach Amaghleba.

Dort angekommen lässt sich weit und breit kein Schild, keine Quelle und kein Weg entdecken, der so aussieht, als würde er uns zum Ziel führen. Statt zu verzweifeln, interviewen wir mit frischen Mut die nächsten Einheimischen und siehe da, die kennen die Quellen auch! Nochmal Juhuu! Es heißt, wir sollen drehen und nach drei Kilometern rechts abbiegen. Gut, klingt doch relativ einfach. So einfach wie gedacht, ist es dann leider doch nicht: Drei Kilometer sind so genau, wie auch ungenau. Es gibt in Georgien einfach so viele kleine Feldwege, die nach rechts abzweigen. Schließlich sagt unser Gefühl uns schüchtern: „Hey, der Feldweg nach dem blauen Kilometerschild Nummer 23 schaut irgendwie so aus als fahren da öfters Autos..! Das könnte es doch sein?“

 

Knapp vor dem Ziel?

 

Wir versuchen es. Nach 500 Metern – wie sollte es anders sein – stellt sich uns das nächste Hindernis in den Weg: eine braune, matschige Pfütze so tief wie der Marianengraben, überflutet sie den Weg vollständig. Wir sind unerfreulicherweise in Begleitung unseres weißen, blitzblanken Autos mit wenig Bodenfreiheit, das nichtmal uns gehört! Unser Honda hätte garantiert dran glauben müssen, aber bei dem Mietwagen sind wir dann doch ganz ungewohnt zurückhaltend. Also: Auto parken, Backpack satteln und schon waten wir durch die Pfüte. Leider völlig ahnungslos, ob das wirklich der richtige Weg ist. Wir folgen der nächsten Kurve und immer noch erstreckt sich ein endloser Pfad vor uns. Wir sind etwas unschlüssig. Macht das überhaupt Sinn, hier ewig zu laufen, wenn wir nicht mal mit Sicherheit wissen, ob der Weg uns zum Ziel bringt.

Da – genau im richtigen Moment – erscheinen sie am Horizont: Unsere strahlenden Retter in Polizeiuniform! Was macht die Polizei denn hier, fragen wir uns. Es ist erstmal doch ein wenig befremdlich, wenn auf einem Feldweg nahe des abgelegensten Ort Georgiens plötzlich ein Jeep voller Polizisten auftaucht. Zunächst haben wir die Befürchtung, dass wir hier vielleicht nicht unterwegs sein dürfen. Weit gefehlt! Die sympathischen, georgischen Polizisten wollen nur wissen, ob sie uns irgendwie helfen können.

Wahrscheinlich sind sie genauso überrascht uns zu treffen, wie wir darüber sie zu sehen. Auch unsere Jeepfahrenden Polizisten können kein Wort Englisch und scheinen die Quelle auf dem Bild nicht zu erkennen. Statt sich schnell zu verabschieden und uns unserem Suchen zu überlassen, heißt es, wir können gerne bei ihnen mitfahren und sie helfen uns suchen. Das geht zwar leider nicht, weil wir unseren Ford nicht mitten im Nichts stehen lassen können.

 

Im Hinterland Georgiens haben wir nicht nur hilfsbereite Polizisten kennengelernt. Wir sind auch den fotogensten Truthähnen des Landes begegnet.

 

Wir bilden wir eine Fahrzeugkolonne. Gemeinsam folgen wir den Feldweg zurück zur Straße. Auf einmal bleibt der Polizei-Jeep stehen. Sie bedeuten einem vorbeifahrenden Auto stehen zu bleiben und beginnen ein hitziges Gespräch. Ist der etwa zu schnell gefahren? Als sie sich allerdings herzlich verabschieden und die Polizisten uns andeuten ihnen zu folgen, wird uns alles klar. Sie haben nach dem Weg zu der Quelle gefragt. Der Feldweg, den wir auserkoren hatten, ist wohl auch tatsächlich der richtige gewesen.

Also drehen wir alle wieder um. Ohne viel Gefackel preschen die Polizisten durch die Mega-Pfütze. Die haben ja auch einen Jeep – im Gegensatz zu uns. Uns bleibt nicht viel anderes übrig als nachzuziehen. Die Pfütze ist überraschenderweise gar nicht so tief wie erwartet.

Einige Minuten geht die Fahrt durch die grüne Landschaft. Da ein kleiner Hügel, ein verlassener Bauernhof rechts und noch einige Meter weiter. Endlich sind wir am Ziel. Auch die Polizisten klettern aus ihrem Gefährt und erkunden mit uns diesen wundersamen Ort. Von ihnen war bisher keiner an diesen stinkenden und wahnsinnig beeindruckenden Wasserbecken.

 

Wir sind wie verzaubert. Hier wollen wir nicht mehr weg. Nie wieder!

 

Nachdem alle Polizisten genügend Bilder mit sich und der Quelle haben, müssen sie wieder los und ihrem Dienst weiter verfolgen. Mehrere Handschläge und umfassender Dank geht an unsere Retter und schon sind wir also alleine an dem Ort, den wir stundenlang gesucht haben.

Der ganze Aufwand hat sich gelohnt. Die Schönheit dieses Ortes ist kaum in Worte zu fassen. Mitten in einer grünen Oase liegen drei Becken und laufen mit heißem, türkisfarbenen Wasser voll. Das warme Nass sprudelt aus einer Erhebung in der Mitte und erhitzt die umliegenden Becken unterschiedlich stark.

 

Verdiente Entspannung nach einem abenteuerlichen Roadtrip.

 

Das einzige Manko ist der Umgang einiger Einheimischer mit diesem Idylle. Nicht nur ein Plastikbecher liegt um die Quelle herum im Schlamm. Das zu ignorieren ist bei der Schönheit des Ortes schwer und so sammeln wir die Becher ein, bevor wir uns in Bikini und Badehose werfen. Dann tauchen wir mitten in das heiße Schwefelwasser.

Am liebsten wären wir da nie wieder herausgekommen! Das Prickeln auf der Haut und die wohlige Wärme, die dich umgibt, nehmen dir augenblicklich jedes Gefühl von Stress und umhüllen dich mit Glück. An dieser Stelle wollen wir allen da draußen sagen, was für ein tolles Gefühl es ist, solche besonderen Orte, für uns Secluded Places, zu finden. Außerdem geht nochmal ein riesen Dank unsererseits an die nettesten Polizisten Georgiens, die das überhaupt möglich gemacht haben.

 


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9 KOMMENTARE
  • Georg
    Antworten

    Haha, diesen Platz habe ich auch vergeblich gesucht, bisher nur auf der Landkarte/Luftbildern. Danke für den Bericht

  • Mili @ WeWereReallyHere
    Antworten

    Hey Julia & Felix!

    Spannender Bericht – wir lieben solche Abenteuer abseits der Touripfade, die lohnen sich einfach immer!
    Da habt ihr uns Georgien richtig schmackhaft gemacht, wird überlegen schon länger das Land zu erkunden :)

    Liebe Grüße aus dem schönen Österreich!

    Mili & Heli von wewerereallyhere.com

    1. Secluded Time • Julia & Felix
      Antworten

      Hallo Mili & Heli,

      danke für euren Kommentar. Dann mal auf, ab nach Georgien. Uns hat es echt super gefallen und es ist dort noch total unberührt. Sprich es gibt viele Möglichkeiten für solche Abenteuer! Meldet euch falls ihr noch Fragen habt!

      Liebe Grüße
      Julia & Felix

  • Lika
    Antworten

    https://youtu.be/uSObHIk5L04
    😊

    1. Secluded Time • Julia & Felix
      Antworten

      Genau, das ist die Quelle. Ich hab bei der Kutaisi Post (Verfasser des Videos) nach einer Übersetzung der Untertitel gefragt:

      Überschrift:* Schwefelbad in Wani
      1. Eine der besten Attraktionen Wanis sind Schwefelbäder
      2. Eine liegt am Fluss Rioni
      3. heiße Schwefelwasser steigt auf dem Boden auf
      4. Das Wasser hat einzigartige medizinische Eigenschaften
      5. Die Einheimischen meinen das die Quelle immer Besucher anzieht
      6. Man kann die Quelle durchgängig, das ganze Jahr über
      7. Neben dem Heilwasser kann man auch die wunderschöne Natur rundum genießen

      Die Kutaisi Post hat selbst auch noch einen Artikel zur Quelle (georgisch – Google Translate hilft aus!).

      Liebe Grüße,
      Felix

  • Thorsten Rees
    Antworten

    Schöner Bericht, hat Spaß gemacht zu lesen. Ich bin im August auch in 🇬🇪 Georgien und freue mich auf die Reise…….
    Liebe Grüße
    Thorsten

    EDIT: Link entfernt

    1. Secluded Time • Julia & Felix
      Antworten

      Hallo Thorsten,
      wir verstehen deine Vorfreude sehr gut! Wir sind auch schon am überlegen, ob wir mal mit einem 4×4 wiederkommen, um auch noch die letzten Ecken zu erkunden.

      Liebe Grüße,
      Julia & Felix

  • Julian
    Antworten

    Hallo,
    vielen Dank für den tollen Bericht. Ich werde Ende August auch nach Georgien fliegen und würde gerne zu der Quelle gehen.
    Könnten Sie mir vielleicht die Koordinaten der Quelle oder ein google maps Bild mit dem Standort zukommen lassen?

    Im voraus schon mal vielen Dank.

    LG
    Julian

    1. Secluded Time • Julia & Felix
      Antworten

      Hallo Julian,
      die Koordinaten sind: 42°06’16.0″N 42°35’12.8″E. Wir wünschen dir viel Spaß in Georgien. Uns hat das ganze Land unglaublich gut gefallen!

      Liebe Grüße,
      Julia & Felix

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