Madrid, unsere große Liebe, unsere Heimat

Ein Jahr im Ausland zu leben ist ein tolles Abenteuer. Und gleichzeitig eine große Herausforderung. Aber mit dieser Stadt, dem wunderschönen Madrid, war es einfach nur ein Traum. Nicht jeder Tag war schön oder einfach.

1. Madrid und seine besondere Bürokratie

Das alles kann ja auch gar nicht so einfach sein. In einem fremden Land gibt es neue Regeln und neue Gewohnheiten, nach denen man sich mehr oder weniger zu richten hat. Ihr glaubt gar nicht, wie schwer es sein kann, sich beim Einwohnermeldeamt zu registrieren oder eine Parkgenehmigung zu bekommen. Das läuft dann häufig folgendermaßen ab: Du bekommst, zum Beispiel von deinem Vermieter, eine Adresse aufgeschrieben und es heißt: „Geh da einfach hin, da machen die das schon!“ Tja, aber man merkt schnell: von wegen „einfach“.

Das alles erfordert weitaus mehr, als da mal so eben hinzugehen. Und ohne „Cita“ läuft da schon mal gar nichts. Was bedeutet „Cita“? Das ist ein Termin für öffentliche Einrichtungen. Den braucht man sogar, wenn man eine Monatskarte für die Metro kaufen möchte. Dann machst du also eine Cita aus und darfst – nach gefühlt vier Wochen – das betreffende Büro endlich betreten, nur um dann festzustellen, dass du hier gar nicht bekommst, wonach du suchst. Hätte man das nicht früher sagen können? Beim Vereinbaren des Termins? Wohl kaum! Also nächstes Büro! Dieses Mal bestehen wir darauf, auch ohne Termin gleich dran zu kommen! Wenn das ausnahmsweise klappen sollte und du dich auf gebrochenem Spanisch (Hallo wir sind gerade mal ein paar Wochen in Spanien gewesen zu dem Zeitpunkt.. !) verständigt hast, wirst du natürlich wieder erfahren, dass auch dieses Büro so gar nicht für deinen Fall zuständig ist. Und weiter geht die Odyssee.

Das ging bei uns soweit, bis wir nach zahlreichen Irrläufen durch die halbe Stadt wieder bei unserem Ausgangsbüro gelandet sind und oh Wunder, jetzt kann unser Wunsch doch direkt vor Ort erfüllt werden. Und eine Mitarbeiterin, die fließend Englisch spricht, gibt es zudem auch noch. Ärgerlich nur, wenn man in all diesen Wochen, die es braucht eine Parkgenehmigung zu bekommen, den verfressenen Parkautomaten vor der Haustür so richtig gut durchgefüttert hat. Zumindest haben wir so einige kostenlose Parkmöglichkeiten in Madrid gefunden. Natürlich nicht mal annähernd bei unserem Wohnviertel.

Aber was soll’s? So durften wir auf dem Weg zu unserem Auto diese wunderschöne Stadt häufig und ausgiebig zu Fuß erkunden und sind auch an Ecken gelangt, die wir sonst wahrscheinlich nie gefunden hätten. So haben wir auch einen unserer Lieblingsasiaten entdeckt, bei dem wir uns jedes Mal verköstigen haben lassen, wenn wir nach dem langen Weg zum Parkplatz einfach total ausgehungert waren. Da seht ihr: Es ist alles nur eine Sache der Einstellung!

2. Die grüne Ader Madrids

Abgesehen von der Parksituation, der komplizierten Bürokratie und der manchmal hektischen Ader kann man über Madrid so rein gar nichts Schlechtes sagen. Es ist eine Stadt, die man absolut genießen sollte. Das fängt mit den zahlreichen Parks an und endet mit den wunderschönen Gassen und weitläufigen Plätzen. Die freundlichen, hilfsbereiten Menschen, die man überall trifft, nicht zu vergessen. Einer unserer Lieblingsparks ist ganz klar der „El Retiro“. Zum Glück lag dieser fast vor unserer Haustür. Jedes Mal wenn wir also keine Lust mehr auf unsere kleine Wohnung hatten – kaum 26 m² groß – konnten wir uns in die unendlichen Weiten des Parks flüchten, am See flanieren oder die angeberischen Pfauen besuchen. Besonders abends findet in diesem schönen Park das pure Leben statt. All die Großstädter kommen hierher um Sport zu treiben, ein Buch zu lesen oder in gemütlicher Runde in der Natur zu sitzen.

 

Der Park ist so rießig, dass er selbst solch große Promenaden problemlos unterbringen kann!

 

Der andere Park der es uns angetan hat, ist „Casa de Campo“. So groß wie ein eigener Stadtteil liegt er da, am westlichen Rand von Madrid. Spätestens wenn man einmal mit der Seilbahn über die grüne Weite geflogen ist und inmitten der kleinen Hügel aussteigt, weiß man, dass man den Trubel der Großstadt gerade hinter sich gelassen hat. Dann sollte man nur noch entspannt durch die endlose Natur laufen oder in einem kleinen Café, am Rand des angelegten Sees, den Ruderern dabei zusehen, wie sie ihre allabendlichen Runden drehen. Wer mehr Action will, kann auch den Zoo oder den Freizeitpark besuchen. Wir sagen ja, dieser Park hat wirklich so einiges zu bieten. Wer die Höhe der Seilbahn nicht zu schätzen weiß, kann natürlich auch per Metro hinkommen.

Und all denen, die gerne laufen, schlagen wir folgenden Spaziergang vor: Los geht es an der „Gran Via“. Dem belebten und quirligen Zentrum Madrids. Übersetzt heißt „Gran Via“ so viel wie „Große Straße“. Und glaubt uns, diese Straße ist groß! Mit dem Auto macht das so gar keinen Spaß. Zu Fuß jedoch kann man die riesigen Häuser und gigantischen Fassaden in ihrer vollen Pracht bestaunen. Auch wer gerne shoppt, wird hellauf begeistert sein. Anschließend geht es in Richtung Südwesten ab zum königlichen Palast. Jeder, der jetzt schon außer Puste ist, kann sich eine kleine Ruhepause in den Grünlagen rund um den „Palacio Real“ gönnen.

Jetzt wappnet euch aber für das große Highlight. Gleich kommt ihr zum großen Fluss. Der berüchtigte und literarisch angepriesene Río von Madrid. Hihi, ein bisschen Spaß muss sein. Der Fluss ist höchstens ein Highlight, weil er euch für immer in Erinnerung bleiben wird. Als der am stärksten ausgetrocknete Fluss Europas! Zumindest kennen wir bisher keinen, der mithalten könnte. In einem breiten Flussbett einige Meter unter euren Füßen befindet sich nichts als grünes Schilf und ein dünnes Rinnsal. Nur direkt nach der Schneeschmelze im Frühling in Kombination mit dem für diese Zeit typischen Regen kann es sein, dass der Pegel um einige Zentimeter steigt. Nachdem ihr den Fluss, der eher ein Bächlein ist, überquert habt, befindet ihr euch bereits in den Anfängen vom Park „Casa de Campo“.

 

Auch wenn man als Ausländer es nicht ganz verstehen kann, die Madrileños sind stolz auf ihren eigenen Río.

3. Die wahre Schönheit Madrids

Was lieben wir noch an dieser Stadt? Die Stimmung, die sie versprüht, wenn man abends durch das zentrale Viertel „Sol“ oder um den „Plaza Mayor“ in den engen Gassen spazieren geht. „Puerta de Sol“ ist ein großer Platz und der Haupttreffpunkt aller Einheimischen und Touristen. Egal an welchem Wochentag, ob Winter oder Sommer, du wirst hier immer Menschen antreffen, die das Leben genießen und sich einfach treiben lassen.

Gerade in den Kneipen-Vierteln „Huertas“ und „Malasaña“ spürt man, wie sehr die Spanier es lieben die Nacht zum Tag zu machen. Keine Ahnung, wie man mit so wenig Schlaf auskommen kann, aber es gibt kaum einen Spanier oder eine Spanierin, der nicht nach dem Abendessen – zu Abend gegessen wird allerfrühestens um 20 Uhr – noch für einen Sangria oder ein paar überteuerte Tapas in eine der idyllischen Straßenbars geht.

Schleierhaft ist und bleibt uns jedoch, warum sogar die Cafés direkt an den teilweise vierspurigen Straßen rappelvoll sitzen. Wer sitzt denn gerne neben vorbeirasenden, stinkenden Autos? Naja, vielleicht muss man sich als Großstädter da einfach eine dicke Haut zulegen. Das haben wir schnell gemerkt. Kaum hat man seine Wohnung verlassen, kann man sich vor dem pulsierenden Leben der Metropole nicht mehr retten. An einem Tag, an dem man nicht so fit ist, kann das auch ganz schön anstrengend sein. Aber an fast allen anderen Tagen haben wir es geliebt.

Die Gran Via ist definitiv einen Besuch wert. Wir empfehlen Dir aber wärmstens einen Besuch zu Fuß, denn so wenig Autos sind eher die Seltenheit.

Eine der schönsten Routen durch Madrid ist ganz klar der Weg von unserer Wohnung zum Zentrum. Du startest im schicken und modernen Viertel „Salamanca“, läufst ein kleines Stück durch den El Retiro und schwupps bist du schon bei der „Puerta de Alcalá“. Hier solltest du kurz verweilen, um diesen tollen Triumphbogen ausgiebig zu bewundern. Dann schnurstracks weiter in Richtung der altbekannten Gran Via. Dabei nicht vergessen: Das beeindruckende und riesengroße Rathaus liegt direkt am nächsten Kreisverkehr nach dem Triumphbogen. Besonders bei Nacht einfach einmalig, weil es dann in hellstem Licht erstrahlt.

Was auf einem Madrid-Trip auf keinen Fall fehlen sollte, sind natürlich Churros. Die berühmte „Chocolatería San Ginés“ ist es durchaus wert ein oder zweimal vorbei zu schauen, um sich mit Heißer Schokolade und Churros verwöhnen zu lassen. Dabei kann man – wenn es einen denn interessiert – all die berühmten Persönlichkeiten auf den Wänden bewundern, die hier vor einem den Süßkram genossen haben. Wer meint, sich nach der Kalorienbombe wieder etwas betätigen zu müssen, ist jetzt schon ziemlich nah an der nächsten Attraktion dieser grandiosen Stadt. Also auf, weiter zum Stadttheater und direkt danach in die Gärten des Palacio Real, falls ihr noch nicht dort wart. Wobei der Palast so schön ist, dass man ruhig mehrmals vorbeischauen kann. Sowohl die Gärten zwischen Theater und Palast als auch die Palastgärten selbst sind wunderschöne, grüne Oasen. Wer den Palast von innen sehen möchte, kann das zu bestimmten Uhrzeiten sogar kostenlos tun. Einige Museen in Madrid haben dieses Special, dass sie für Studenten und teilweise auch für alle anderen zu bestimmten Zeiten an ausgewählten Tagen kostenlos sind.

Auch der „Matadero“ gehört zu unseren Lieblingsplätzen in unserer Lieblingsstadt. Der Matadero ist ein ehemaliger Schlachthof. Ja, das ist irgendwie überhaupt kein schöner Gedanke – geht uns auch so. Inzwischen ist er allerdings schon lange kein Schlachthof mehr, sondern wurde zu einem Kulturzentrum mit kleinen Lokalen umgewandelt. Die Gebäude sind wirklich schön und so stark modernisiert worden, dass man von ihrer ursprünglichen Funktion zum Glück kaum noch etwas erahnen kann. Einige Bars sind derart faszinierend eingerichtet, dass man sich in eine andere Zeit versetzt fühlt. Das Fotografen-Herz schlägt da natürlich höher. Etwas außerhalb gibt es einen kleinen botanischen Garten mit Pflanzen aus aller Welt.

4. Madrid in seiner echtesten Pracht

Jetzt kommen wir aber noch zu „La Latina“, das man in all dem Lobgesang über diese Stadt auf keinen Fall vergessen darf. Es ist ein Viertel, das weitaus weniger Hochglanz zeigt, als das Zentrum. Aber genau das ist es, was uns daran so gefällt. Man hat das Gefühl hier den wirklichen Locals und ihren Rückzugsorten zu begegnen. Hier wird nichts versteckt oder besonders herausgeputzt. In den hohen Gassen mit den bunten Hausfassaden und dem einen oder anderen Graffiti, findet man den ungeschönten Teil Madrids. Man wird ihn schnell lieben lernen. Ein besonderes Highlight ist natürlich der „Rastro“. Ein riesiger Flohmarkt, der sich durch mehrere Straßenzüge zieht. Vor allem sonntags ist hier die halbe Stadt am bummeln.

Zu guter Letzt nicht zu vergessen: „El Templo de Debod“. Ein wirklich schöner ägyptischer Tempel, der in Madrid wieder errichtet worden ist. Noch dazu gelegen auf einem kleinen Hügel mit tollem Ausblick über einen Teil der Stadt und ganz „Casa de Campo“.

 

Eure Heimatstadt will ein neues kulturelles Highlight? Wieso lässt sie sich nicht einfach einen ägyptischen Tempel liefern und baut ihn bei sich wieder auf? In Madrid hat es auf jeden Fall geklappt!

5. Fortbewegung in Madrid

Nur ein kleiner Tipp. Wer am Ende seiner Madrid-Reise noch alle Gliedmaßen haben möchte, sollte vielleicht darauf verzichten mit dem Rad im Straßenverkehr unterwegs zu sein. Fahrradwege gibt es leider außerhalb der Parks nicht allzu viele. Für Fahrradfahrer wurde zwar auf den meisten Straßen eine eigene Spur eingerichtet, die die Autos nicht befahren dürfen. Teilen müssen sie sie aber mit Rollern, Taxis und Bussen. Sicher ist das also trotzdem nicht. Wem bekannt ist, wie unerbittlich die Spanier im Straßenverkehr sein können, der weiß, was wir meinen.

Zu Beginn unserer Zeit in Madrid haben wir uns tatsächlich ein Fahrrad zugelegt. Julias Plan war es damit tagtäglich zur Uni zu fahren. Wären ja nur zehn halsbrecherische Kilometer von unserer Wohnung aus gewesen. Ihr könnt euch schon denken, wie das ausgegangen ist. Nachdem das Fahrrad vor unserer Haustür geparkt worden ist, hat es noch genau zweimal unsere Beachtung erhalten.

Nummer 1: Wir wollten endlich mal wie die kubanischen Pärchen Fahrrad fahren. Für alle die das noch nie gesehen haben. Der Kerl sitzt dabei ganz normal auf dem Sattel und tritt die Pedale, das Mädchen, darf auf der Verbindungsstange zwischen Lenker und Sattel, im Damensitz, Platz nehmen und sich kutschieren lassen. Echt romantisch, kann aber nach einiger Zeit ganz schön schmerzhaft werden! So eine Verbindungsstange ist nicht unbedingt der bequemste Ort zum Sitzen.

Und Nummer 2: Wie könnte es anders auch sein, als wir es wieder verkauft haben.

Wer aber trotzdem keine Lust hat, die Stadt zu Fuß zu erkunden – ehrlich gesagt machen wir das wirklich gerne – dem kann man die Metro ans Herz legen. Das Metro-Netz in Madrid ist wirklich gut ausgebaut und man ist in kürzester Zeit überall, wo man hinkommen möchte. Es gibt zwar auch Busse, aber diese fahren oft große Umwege und man braucht viel länger, um ans Ziel zu kommen.

 

Ein Traum für alle Schleckermäuler! Madrid hat eben einfach alles zu bieten. Ok, ok.. ans Meer dauert es dann doch ein bisschen!

 

6. Danke, du wundervolles Madrid!

Madrid, das hier geht an Dich. Danke für all die wunderschönen Stunden, die wir mit dir verbringen durften. Ja, wir haben geschimpft und manchmal sogar gelästert, aber du wirst für immer in unseren Herzen bleiben. Als ein Zuhause in einem Land, das nach und nach zu unserem zweiten Heimatland geworden ist. Wir können es gar nicht erwarten zurückzukommen!


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