Die Fallas – Wer braucht schon Silvester?

Einmal im Jahr steht Valencia Kopf. Für über zwei Wochen! Dass es wieder soweit ist erkennst Du daran, dass mittags seltsame Rauchwolken über der Stadt aufsteigen und es an jeder Ecke süße Leckereien zu kaufen gibt. Vor zwei Jahren stolperten wir zum ersten Mal mitten in dieses bunte Chaos hinein. Seitdem bekommen wir die Fallas nicht mehr aus dem Kopf. Die Fallas finden jährlich im März über die ganze Provinz von Valencia verteilt statt. Mit diesem bunten Fest wird an der valencianischen Küste der Frühling begrüßt. Eigentlich wollten wir uns nur endlich das berühmte Valencia anschauen, stattdessen haben wir unser neues Lieblingsfest entdeckt.


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Ein bunter Lichterbanner und ein Straßenlaterne
Die Fallas sind eins der tollsten Feste europaweit.

 

Früh am Morgen fahren wir in Madrid los (Hier geht’s zum Madrid Steckbrief). Die Strecke dauert um die dreieinhalb Stunden, wenn man gemütlich unterwegs ist. Das sind wir meistens. Der eine oder andere Stop am Wegrand ist sowieso nicht zu vermeiden. Spanien ist einfach zu schön, um rastlos mittendurch zu brausen!

Gegen Mittag erreichen wir unser Ziel. Wir sind etwas geschafft, aber unglaublich neugierig auf das, was uns erwartet. Die Parkplatzsuche gestaltet sich zunächst gar nicht so einfach. Entweder sind die Parklücken besetzt, nur für Anwohner erlaubt oder kosten eine Unsumme pro Stunde. Schließlich werden wir am Stadtrand fündig. Schnell schultern wir die Rucksäcke und schon machen wir uns auf den Weg zu unserem Hostel.

Bald steigt uns ein verführerischer Duft in die Nasen. Es riecht nach warmen Zuckergebäck. Mhmm, jetzt erst merken wir, dass wir ewig nichts gegessen haben! Das Frühstück am Morgen ist sehr klein ausgefallen. Zu sehr waren wir mit den letzten Vorbereitungen für unseren Trip nach Valencia beschäftigt. Als wir schnellen Schrittes um die nächste Ecke biegen, steht er da: In vollster Pracht! Ein Stand voller Naschereien und Gebäck. Den Churros können wir einfach nicht widerstehen. Mit einer großen Packung leckerer Gebäckkringel läuft sich der restliche Weg bis zur Unterkunft fast wie von selbst.

 

Ein Süßigkeitenstand während der Fallas in Valencia
Den kunterbunten Süßigkeitenständen kann kaum eine Naschkatze widerstehen.

 

„Viel Spaß, in dieser verrückten Zeit hier in unserer Stadt!“ gibt uns unser Vermieter noch mit auf den Weg. „Die feiern ab jetzt jeden Tag mehr und werden immer lauter! Bis zum großen Finale am letzten Festtag.“ Da sind wir aber gespannt!

Überall in der Stadt stehen Skulpturen aus Pappmaché in Übergröße. Die kunterbunten und teilweise eindrucksvollen Gebilde stellen spöttische Abbildungen von Politikern dar oder nehmen das aktuelle Weltgeschehen auf die Schippe. Mittags treffen sich dann alle auf dem Rathausplatz. Dicht gedrängt stehen sie geduldig auf dem riesigen Gelände und warten. Ziehende Händler bieten Getränke an und das dröhnende Stimmengewirr bereitet einem fast schon Kopfschmerzen. Dann auf einmal durchbricht ein ohrenbetäubender Knall das Gewusel. Und noch einer. Und nochmal! Alles verstummt und die Augen fliegen gen Himmel. Dort oben bietet sich eine Szene, die mag man gar nicht so richtig glauben. Eben noch war der Himmel betörend blau und die Sonne strahlte dem Frühling entgegen. Das ist jetzt kaum noch zu erahnen. Während es weiter böllert und knallt ziehen dichte Rauchschwaden über die Stadt. Wer sich den Weltuntergang schon mal in seiner Fantasie vorgestellt hat, der hatte bestimmt ein ähnliches Bild vor Augen. Diese Zeremonie nennt sich „Mascletàs“ und ist ein sogenanntes Tagfeuerwerk. Zahlreiche Knallkörper sowie Feuerwerksböller werden gezündet und erschüttern die Bewohner Valencias. Es dauert fast eine halbe Stunde, bis sich der Rauch hinterher wieder vollständig verzogen hat. Die Menschenmassen ziehen derweil beschwingt durch die Straßen.

 

 

Abends nehmen wir dann an einer der kunterbunten Lichtershows teil. Ganze Straßenzüge sind hell erleuchtet und Musik schallt aus zahlreichen Boxen. Zu den Klängen mitreisender Melodien finden beeindruckende Lichtspektakel über unseren Köpfen statt. Hoffentlich muss morgen keiner der Anwohner früh aufstehen. Aber ach was, wir sind ja in Spanien. Da ist das äußerst unwahrscheinlich!

Wir können gar nicht anders. Als wir am Ende des Wochenendtrips die Rückfahrt nach Madrid antreten, steht es längst fest: Zum Finale in einer Woche werden wir auf jeden Fall wiederkommen. Sowas darf man sich eben nicht entgehen lassen.

So stehen wir also knapp acht Tage später erneut auf der Matte. Die Unterkunft vom letzten Mal können wir leider nicht wieder beziehen. Zum Finale der Fallas steigen die Hotelpreise ins Unermessliche. Wer nicht rechtzeitig bucht, bekommt bei unserem Budget als arme Studenten nur noch etwas in den Randbezirken des Zentrums. Völlig egal. Schließlich wollen wir die Zeit ja in den Straßen der Stadt verbringen und nicht in unserem winzigen Hostelzimmer. Sogleich stürmen wir los. Die Akkus der Kameras sind aufgeladen und die Speicherkarten einsatzbereit!


Unterkünfte in Valencia: Vor allem für einen Aufenthalt während der Fallas solltest Du rechtzeitig buchen! Es gibt einige gute Hostels im Zentrum. Das Center Valencia Youth Hostel* liegt ein paar Gehminuten von der Innenstadt entfernt und hat sehr gute Bewertungen. Du kannst dort übrigens auch ein Zweibett-Zimmer buchen. Auch das Frühstück dort ist sehr lecker.

Für alle, die lieber etwas mehr Geld investieren und sich dafür mehr Privatsphäre erhoffen, bietet sich das Jardín Botánico Hotel Boutique* an. Die Zimmer sind geräumig, wunderschön hell und sehr sauber.


 

Was steht jetzt an? Nun, bis kurz nach Mitternacht werden alle Skulpturen angezündet und verbrannt und zwar eine nach der anderen. Die ersten Stunden sind die an der Reihe, die von Kinderhänden gebaut wurden und anschließend die der Erwachsenen. Doch wer jetzt an gemütliche Lagerfeuer denkt, der liegt völlig falsch! Als würden sich die Valencianer mit so etwas zufrieden geben. Nein, die Verbrennungen werden natürlich bis ins letzte Detail zelebriert. Die Skulpturen werden mit Brennschnüren umwickelt, mit Feuerwerkskörpern ausgestattet und im Anschluss mit Benzin überschüttet. Erst dann kann es losgehen! Mit großem Getöse fackeln die Karikaturen ab und schießen dabei ein überschwängliches Feuerwerk in die Nacht. Du kannst praktisch den ganzen Abend von Feuerwerk zu Feuerwerk flanieren. Ist eine Skulptur verbrannt, drehst Du dich nach links und schon geht es weiter.

Wer möchte, darf aber auch sein eigenes Feuerwerk veranstalten. Während der Fallas sprießen in den betroffenen Vierteln unzählige kleine Pop-Up Feuerwerkstores aus dem Boden. Dort bekommt man alles, was das Krachmacher-Herz begehrt. Ein gutgemeinter Ratschlag von uns an dich: Sobald Du siehst, wie jemand einen Knaller zündet, nimm Reißaus. Halte immer einen ordentlichen Abstand zwischen dir und den Böllern aufrecht. Einen Schritt zu nah und es zertrümmert dir dein Trommelfell. Zumindest fühlt es sich sehr schmerzhaft an und raubt dir für ein paar Minuten die Fähigkeit zu hören.

 

Schriftzug "Pirotecnia" vor einem Feuerwerkskörperladen während der Fallas
Für alle Feuerwerkfans sind die Fallas der Place-to-be.

 

Die Skulptur vor dem Rathaus bleibt unangetastet bis zuletzt. Wenn um ein Uhr nachts alle anderen Skulpturen schon abgefackelt wurden, trifft sich die Meute noch einmal auf dem großen Rathausplatz. Die letzte Figur geht in Flammen auf und wird von dem lauten Krawall des größten und allerletzten Feuerwerks begleitet, das uns mit Sprachlosigkeit zurücklässt. Liebe Fallas, liebe Valencianer, wer braucht schon Silvester, solange es die Fallas gibt?!


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